Bedenke die Ewigkeit

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Wo Lieser und Malta schäumen

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Malta-Wasserfall  

(Malta Wasserfall)

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 Der Ursprung der Lieser

   Ganz hinten im Pöllatal, wo das Hafnereck mit seinen Nachbarbergen eine immer enger werdende Schlucht bildet, springt die Lieser froh und munter aus dem Loch einer steil abfallenden Felswand. Dieser Felsen steigt ziemlich hoch an, und dahinter zieht sich eine Schutthalde, das Lieserkar, weit zurück in die Einsamkeit der Berge. An der Stelle des Kares soll sich vor langer Zeit einmal ein See ausgebreitet haben. In den umliegenden Bergen hat man früher nach Golderz gegraben.

   Die Bergknappen des Pöllatales wurden durch den Bergsegen immer reicher. Mit dem Reichtum wuchs aber auch ihr Übermut. Bald zechten sie lieber in den Gaststätten als in den Stollen zu steigen. Sie tranken nur mehr aus goldenen Bechern, und auf der Kegelbahn schoben sie mit goldenen Kugeln nach goldenen Kegeln.Sie trieben auch sonst viel frevelhaftenSpott und waren an keinem Sonntag mehr in der Kirche zu sehen.

   Unter diesen verkommenen Leuten befand sich aber auch ein stocktauber Knappe, der fleißig arbeitete und am Sonntag den Gottesdienst draußen im Tal besuchte. Der Taube ermahnte seine Kameraden oft zur Anständigkeit und zum Fleiß. Diese aber wiesen ihn ab und lachten nur über sein Gerede. Als die Knappen nach einem wüsten Zechgelage wieder einmal in den Stollen einfuhren und gerade mit ihrer Arbeit beginnen wollten, hielt sie ihr tauber Arbeitskamerad an und meinte: ,,Leute, wartet ein wenig! Ich hör etwas rauschen!" 

   Einen Augenblick  horchten auch die anderen in den Berg. Dann aber erhoben sie ein schallendes Gelächter und schrien durcheinander: "Du bist wohl narrisch! - Wenn wir nichts hören, was soll dann ein Tauber hören?"

  Der Taube warnte seine Kameraden noch einmal und bat sie, den Stollen zu verlassen ehe ein Unglück geschehe. Weil die Männer wieder nur mit Lachen antworteten, verließ der taube Knappe eilig den Stollen. Kaum hatte er das Tageslicht erreicht, so stürzte ein Wasserstrom aus dem Stollen und riß seine Kameraden mit in die grausige Tiefe. Die Bergleute hatten nämlich mit ihren Meiseln den See über dem Bergwerk angebohrt, und nun ergoß sich das Wasser durch den Stollen ins Freie.

   Der gerettete taube Knappe aber besaß  von diesem Tag an wieder sein Gehör. Und weil er es war, der durch sein "Liesnen" das Wasser kommen hörte wurde der Bach, der noch immer weiter fließt, einfach die "Lieser" genannt. In der alten Zeit sagte man ja statt horchen auch "liesnen". So will der Name dieses wilden Flußes uns für alle Zukunft erzählen, daß ein tauber Mann zuerst sein Rauschen gehört hat.  

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 Der Schimmelgeist
   Als die Franzosen in Kärnten eindrangen, gab es für unsere Landsleute eine schlimme Zeit. Die Fremden raubten doe Häuser aus und sperrten viele brave Kärntner ein, so daß Not und Elend in den Dörfern herrschten.
   Die Franzosen waren auch in das weltabegeschiedene Katschtal gekommen, das sich von der Burg Rauchenkatsch bis unter den Katschbergpaß hinzieht. Ehe die fremden Soldaten hierher kamen, vergruben die Bewohner von Rennweg, St.Georgen und St.Peter alle wertvollen sachen, damit sie die französischen Plünderer nicht finden sollten. Nur der alte Postmeister Heiß in Rennweg, der früher mit der Postkutsche durch das Tal gefahren war, kümmerte sich nicht darum. Ihn ließ die bittere Zeit gleichgültig, und er ließ alles gehen, wie es eben ging. Er lebte flott in den Tag hinein, und einige munkelten sogar, daß er es mit den Franzosen halte.
   als die Feinde wieder abzogen, waren im Katschtal die Kammern geplündert, und die weiten Felder standen leer. Kein Vieh war mehr im Stall, und überall herrschten Not und Elend. Da erbarmte sich der Kaiser in Wien der schwergeprüften Leute und sandte ihnen einen schönen Geldbetrag. Dieses Geld kam auf das Postamt in Rennweg, doch der Postmeister Heiß har davon keinen einzigen Heller an die notleidende Bevölkerung des Tales verteilt. Er behielt die ganze Summe für sich selbst. Dieses Geld brachte ihm und seinen Nachkommen keinen Segen. Schon nach wenigen Jahren starb der alte Postmeister Heiß, aber in seinem Grab fand er keine Ruhe.
   Als gefräßiger Schimmel erschien der Geist  des alten Heiß jeden Tag unter den Pferden im Poststall des Katschtales. Er fraß den Rössern das Futter weg, so daß diese am Barn rissen und zerrten, schäumten und schwitzten. Die Knechte schrien, wenn sie den Geisterschimmel wahrnahmen.
Bald wollte kein Mensch mehr im Haus bleiben und die Pferde füttern. 
   Nun holte sich der junge Postwirt beim Pfarrer Rat. Dieser bannte den sonderbaren Geist in einen Almsee im Pöllartal. Er gab aber auch dort keine Ruhe. Er lockte das Almvieh an den See und zog ein Stück nach dem anderen in seine Tiefe, ohne daß esder Halter verhindern konnte. Nun bannte der Pfarrer den Geist des alten Heiß in die Kirchen von St.Georgen. Hier konnte er den Menschen und den Tieren des Katschtales nicht mehr schaden. Lange noch sah man in der Kirchenmauer das Abbild eines Mannes. Darum ist auch die Erinnerung an den Schimmelgeist in Rennweg lebendig geblieben.        
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 Der Klepper -Hans
   In St.Nikolai bei Kremsbrücke. wo sich seit alten Zeiten der Friedhof für die Toten dieser Gegend befindet, hat man in früheren Jahrhunderten die Gebeine der Ahnen gesammelt und in kleinen Trühlein in der Totenkammer zur Erinnerung aufbewahrt. - Einmal wurden die Knochen eines Mannes ausgegraben. der in der Totenkammer keine Ruhe geben wollte und in seinem Trühlein unheimlich klapperte. Weil der Mann zu seinen Lebzeiten Hans geheißen hatte, wurde jetzt der Klepperer Hans genannt. Im ganzen oberen Liesertal erzählte man von diesem klappernden "Lotter". Einmal fragte ein lustiger Bauernknecht zu Kremsbrücke ein sauberes Dirndl, ob es sich getraue, den Klepper-Hans in den Stall herunter zu tragen? Er würde ihr dafür ein nigelnagelneues Kopftüchlein schenken. Die schneidige Magd nahm diesen Vorschlag an und stand eine halbe Stunde später mit dem klepperer-Hans im Stall. Nun war der Knecht zufrieden und ließ sie, das Trühlein mit den Knochen wieder in die Totenkammer hinauftragen. Die beiden wurden jedoch von einem furchtbaren Schreck ergriffen, als sie weder allein, noch zu zweit das Trühlein von der Stelle bringen konnten.
   Als sie den Klepperer-Hans am nächsten Morgen noch nicht aus dem Stall brachten, fragten sie einen alten Nachbar, der sich bei solch gruseligen Sachen auskannte, um Rat.
   Er fragte den Knecht, ob vielleicht in der letzten Nacht ein Weiblein im Stall übernachtet hätte. Der Knecht gab dies zu, und nun mußte er das Weiblein dem Alten vorführen. Der Alte fragte das Mütterlein, ob es den Klepper Hans gekannt hätte.   
"Ja freilich" erklärte die erschrockene Frau. Nun wollte der Alte wissen, ob sie mit Hans zerstritten gewesen sei oder ob sie in Frieden von ihm Abschied genommen habe, als er sterben mußte. Das alte Mütterlein gestand, daß es mit Hans sehr viel gestritten und daß es sich mit ihm auch vor seinem Sterben nicht ausgesöhnt habe. 
   Jetzt wußte der Alte genug. Er verlangte nun von dem Weiblein, daß es mit ihm in den Stall gehen, die knöcherne Hand des Toten ergreifen und ihm verzeihen müsse. Das tat die alte Frau auch. Nun konnte das Trühlein mit den grauen Gebeinen wieder in die Totenkammer getragen werden, und der Klepper-Hans hat sich seither in der dunklen Kammer nie wieder gerührt.

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 Die Heiden in der Innerkrems
   Schon vor mehr als tausend Jahren sollen die ersten Menschen auch die Innerkrems besiedelt haben. Wie die alte Kremser Wirtin zu erzählen wußte, sollen dier ersten "Kremser" Heiden gewesen sein. Sie flüchteten aus den schönen Tälern Kärntens, wo allmählich das Christentum Fuß faßte, in den versteckten Kremsgraben hinein und verehrten dort weiterhin ihre heidnischen Götter. Hier, soglaubten sie, werden sie kein Christ finden. Sie haben auch verschiedene Schätze, wie Schmuck und Geld, von ihren früheren Wohnsitzen in das verborgene Tal mitgenommen und vergruben sie hier an verschiedenen Stellen.
   Einmal kam es aber auf den Bergeshöhen nördlich der Innerkrems, welche die Grenze gegen den salzburgischen Lungau bilden, zwischen den Christen und Heiden zu einer blutigen Schlacht. Der Almboden wurde dabei vom Blut beider Parteien getränkt, und er heißt deshalb heute noch die Blutige Alm. In diesem Kampfe sind die meisten Heiden des Kremsertales ums Leben gekommen. Die wenigen Menschen aber, die diese furchtbare Schlacht verschonte, begruben die Toten im verborgenen Tal und auch ganz hinten in der Pfarrealm, wo noch jetzt eine Örtlichkeit "bei den heidnischen Freithöfen" heißt. Bei jenem grausamen Kampfe wurde auch der heidnische Tempel zerstört, der dort stand, wo sich seit 500 Jahren die alte Knappenkirche befinde.
   Die überlebenden Heiden hatten nun fortan ihre Ruhe, doch sie schlichen ziemlich scheu durch die einsame Bergwelt. Sie lebten hauptsächlich von der Jagd und verkauften ab und zu draußen im Liesertal ein Stück von ihren vergrabenen Schätzen.
   Einmal traf ein heidnischer Jäger auf seinem Prschgang ganz hinten in der Bärengrube ein kleines, hageres Männlein mit einem langen Bart. Der Jäger wußte nicht, woher dieser kleine Geselle gekommen war. Er sprach den Jäger mit den Worten an: "Jäger, bleib stehen! Ich trage dein Glück bei mir!" - Das Männlein griff in eine umgehängte Ledertasche und ließ den Jäger wählen: "Gold für kurze Zeit, Eisen in Ewigkeit oder das Kreuz in der Nuß?" (Das ungenießbare kreuzartige Gebilde in der Nuß soll für Zauberhandlungen brauchbar sein.) - Ohne lange zu überlegen wählte der Jäger: "Ich möchte das Eisen in Ewigkeit!" Das Männlein zeigte ihm das Eisenerz im tiefen Berg und verschwand so rasch, wie es gekommen war.
   Nun wurden die Heiden in der Innerkrems Bergleute, gruben erstklassiges Erz aus den umliegenden Hängen und verkauften es um teures Geld hinaus in das Liesertal, wo es geschmolzen und verwertet wurde.
   Nach und nach ließen sich die Heiden des Kremstales zum Christentum bekehren, und als auch ihr Graf, der Aschauer, ein Christ war, ließ er auf den Trümmern des einstigen Tempels die Knappenkirche bauen. Die angebliche Residenz des Grafen Aschauer, der in der Knappenkirche seine letzte Ruhestätte gefunden hat, wurde in der Innerkrems unweit der Talstation des Sesselliftes auf den Grünleitennock noch vor wenigen Jahren gezeigt. Anstelle jenes grauen Steinhaufens, den Brennesseln, Sträucher und verworrene Gräser überwucherten, stehen nunmehm freundliche Gästehäuser, den die Innerkrems ist ein beliebtes Urlaubsparadies geworden.

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Der Goldberg bei Leoben       

Von Leoben im Liesertal zieht sich ein enger Graben, der Leobengraben, ganz weit
in die Nockberge hinein. 
   Am Pressingberg, an der sonnseitigen Lehne des Leobengrabens, hauste der Veitbauer. Zu ihm kam früher in den schönen Maitagen immer ein fremder, ärmlich gekleideter Mann und bat um ein Nachtlager. Am nächsten Morgen wanderte er er schon zeitig durch den Graben einwärts, veriet aber dem Bauer niemals Ziel und Absicht seiner Wanderung. Weil dem Veitbauer der Fremde irgendwie nicht ganz geheuer vorkam, entschloß er sich ihm einmal nachzuschleichen.
 Als im nächsten Mai der Fremde bereits beim Morgengrauen das Bergbauernhaus verließ, machte sich der Veitbauer auf den Weg in den Leobengraben. Er holte den
Fremden bald ein und folgte ihm in einem gewissen Abstand. Bei der Feldner Hütte bog der Fremde vom Graben ab und stieg den steilen Hang hinauf zu den schönen Lärchen. Der Veitbauer schritt hinterher. Wenn der Fremde zu einer kurzen Rast stehen blieb, versteckte sich der Veitbauer hinter einem Baumstamm. So kamen beide nach einem mehrstündigen Weg zu einer Almwiese hinauf, wo nur noch ein paar vom Sturm zerzauste Zirben standen. Vor einer grauen Wand hielt der Fremde wieder und spähte ein parmal in die weite Runde. Der Bauer wartete hinter einer buschugen Zirbe. Weil sich der Fremde unbeobachtet glaubte, hob er eine Felsplatte von der Wand, die sich wie eine Tür öffnete. Dann trat er in die Höhle und schloß die Tür hinter sich.
   Es dauerte ziemlich lange bis der Fremde wieder ans Tageslicht kam und einen glänzenden Goldklumpen in seine Ledertasche steckte. Wieder legte er die Steinplatte vorsichtig auf den Felsen und wanderte auf einem anderen Bergweg gegen Süden.   
DenVeitbauer ließ dieses Erlebnis keine Ruhe, und als im nächsten  Frühling der Schnee die Berge wieder freigab, stieg er zu jener Almwiese hinauf, ehe der Fremde wieder kam.

 Er fand auch wirklich die Steinplatte, die er vorsichtig mit beiden Händen in die Höhe hob. Klopfenden Herzens stieg er nun in eine finstere und eiskalte Grube. In einer Ecke erblickte er ein Steintröglein, in welches aus einer Felsplatte flüssiges Gold tropfte. Was seit dem letzten Jahr in den Trog getropft war, fühlze sich als harter Klumpen an. Der Veitbauer nahm den Reichtum zu sich und schleppte ihn in seinem Rucksack heimzu.

   Der Bauer wußte, daß ihm dieses Gold erst dann von Nutzen wäre, wenn er dafür blankes Geld bekommen könnte. Weil er gehört hatte, daß die Wallischen Gold besonders gut bezahlen, machte er sich mit seinem kostbaren Schatz auf den weiten Weg nach Italien. Tagelang war er schon gewandert, alös er endlich durch eine italienische Stadt schlenderte und die reichen Paläste bewunderte.
   Plötzlich rief ihn aus einem Fenster eine Männerstimme zu: "Ja, Veitbauer, woher, wohin? Wie kommst du denn nach Venedig?"
   Der Bauer aus dem Liesertal war ordentlich erschrocken, denn er hatte die Stimme jenes Fremden erkannt, der schon so oft bei ihm genächtigt hatte.
   Weil ihn aber der Italiener zum Eintritt in seinen Palast einlud, öffnete der Veitbauer das prunkvolle Tor. Dann zeigte ihm der Fremde seine glanzvolle Einrichtung im ganzen Haus und erklärte: "Siehst Veitbauer, das alles habe ich mit dem Gold aus Euren Bergen bezahlt. Und weil du mich jedes Jahr so liebevoll aufgenommen hast,
sollst du heute mein Gast sein!"
   Der Veitbauer konnte nur staunen und immer wieder staunen, und als ihm am nächsten Morgen der Italiener noch seinen mitgebrachten Goldklumpen abgekauft hatte, trat er wieder den weiten Weg ins Kärntnerland an.
   Nun kam der fremde Italiener nie wieder zum Veitbauer. Der Goldtrog im Leobengraben aber war seit jenem Jahr für immer verschwunden.

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 Was Mutter Drau erzählt ...Flößer auf der Drau
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Der Wettersee im Drautal
     Wo die Drau  durch das Tiroler Tor nach Kärnten kommt, soll sich in früheren
Zeiten ein Wettersee befunden haben. Die alten Leute wußten zu erzählen, daß Unwetter über das Land kamen, wenn man Steine in sein tiefes Wasser warf. Ein alter Mann wollte sich davon überzeugen, ob an diesem Gerede der Leute etwas Wahres sei. Er wanderte deshalb zum See hinauf und warf einen Stein in seine Tiefe. Bald brauste es im See auf. Es begann zu blitzen und zu donnern, und schon fiel der Regen aus den Wolken. Der See aber stieg höher und höher und trat Wetterseeüber seine Ufer.
    Da ergriff der alte Mann die Flucht und lief zu einer Hütte, um Schutz zu suchen. Das Wasser aber verfolgte ihn auch dorthin, und plötzlich kam aus dem ärgsten Gewitter ein unheimlich großer Mann, von dessen Kopf langes grünes Haar auf den halbnackten Körper herunter fiel. Es war der Wassermann. Er brüllte den Alten zornig an: "Ist es nicht traurig genug, daß mich die Kinder laufend stören? Du müßtest wohl schon alt genug sein, um dies nicht mehr zu tun!"
   Nun ergriffWasserrmann der Wassermann eine Hand des Alten und führte ihn zu einem Felsen, un dem sich ein langer Gang auftat. Sie schritten zuerst durch eine Finsternis, doch nach und nach wurde es im Berg immer heller. Die ganze Wand war nämlich aus Karfunkelstein, der taghell leuchtete. Endlich betraten die beiden einen weiteren Raum, in dem Tausende Männer an einer großen Maschine arbeiteten, um das Wasser in die Höhe zu treiben.
   "Da schau einmal", sagte der Wassermann zum Alten,  "was die Steinwerfer diesen Leuten für Arbeit machen! Wie lange müssen sie pumpen, um so viel Wasser hinauf zu bringen, wie du es eben erlebt hast. Die Leute, die hier arbeiten, sind alle im See ertrunken. - Laß also meinen See in Zukunft in Ruhe, und verbiete es auch deinen Kindern, daß sie Steine in den See werfen!"
   Nun führte der Wassermann den Alten wieder aus dem Berg heraus und erlaubte ihm, von den Schätzen einzustecken, was er tragen könne.
   Als der Alte wieder daheim war, erfuhr er, daß man ihn einen ganzen Monat nicht gesehen habe. Ihm selbst aber kam es vor, als wäre er nur einen Tag fort gewesen. Durch die  Bergschätze die er mitgebracht hatte, ist er ein reicher Mann geworden.  
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 Der betrogene Teufel
      Bei Oberdrauburg eilt ein lustiger Bach aus dem Silbergraben der der Drau zu. In diesem Graben wohnte ein armes Bäuerlein, das eine große Familie zu ernähren hatte. Es steckte daher tief in Schulden. Als dieser Bauer einmal von einem Einkauf in Oberdrauburg heimwärts wanderte, lud in ein Wirt auf ein Gratisgläschen ein. Der arme Bauer nahm die Einladung dankend an und traf nun in der Gaststube seinen reichen Vetter, der beim Kartenspiel schon ein nettes Häuflein Geld gewonnen hatte. 
   Weil am nächsten Tag die Tochter des  armen Bauern heiraten sollte, dieser aber nicht einmal das Geld für die Hochzeitstafel besaß, bat er seinen reichen Vetter um einen kleinen Betrag. 
   "Gut", sagte der reiche Vetter, "morgen in aller Frühe soll deine Tochter das Geld bei mir holen! Aber sie muß selbst kommen!"  - Dann zahlte der Reiche seine Zeche und ging heimzu.      
   Bald begab sich auch der Arme auf den Heimweg. Aus Freude über das versprochene Geld konnte er nicht schlafen. Darum stand er wieder auf und wanderte durch den Silbergraben hinauf. Bis zu jener Brücke wollte er gehen, die am frühen Morgen seine Tochter überschreiten sollte, um das Geld zu holen. Zu seinem größten Erstaunen merkte er aber, daß die Brücke abgetragen war. -  Der geizige Vetter hatte das seinen Knechten sofort befohlen, als er heimgekommen war. Er glaubte, auf diese Weise seinem armen Vetter kein Geld leihen zu müssen.
   Während nun der arme Bauer mit gesenktem Haupt in den reißenden Bach starrte, vernahm er hinter seinem Rücken ein Kichern. Rasch drehte er sich um, und weil der grüne Jäger, mit einer Hahnenfeder auf dem Hut, freundlich nickte, klagte ihm der Arme sein Leid. 
      "Da kann ich helfen", meinte der Fremde. "Ich kann die Brücke bis zum Sonnenaufgang  wieder aufbauen,  wenn du mir die Seele jenes Geschöpfes überläßt, das zuerst über die neue Brücke gehen wird." Nun merkte der Bauer das der Teufel vor ihm stand. Trotzdem beschloß er den Vertrag mit einem kräftigen Händedruck.
   Auf dem Heimweg dachte der arme Bauer angestrengt nach, wie er sich wieder aus der Gewalt des Teufels befreien könnte. Er setzte sich auf seine Hausbank und sah nachdenklich zu den Berghäuptern hinauf, wo sich langsam das Morgenrot bemerkbar machte. Als der Hahn krähte war ihm ein guter Einfall gekommen. Er eilte ins Haus und weckte rasch seine Frau und die Kinder mit den Worten: "Auf, auf! Heute ist unser Glückstag!" 
   Während sich seine Leute ankleideten, rannte der Bauer den Silbergraben hinauf.  Die Brücke stand bereits fertig da. Aber auch der Teufel lauerte schon auf sein Opfer. Er fragte den Bauer ob ihm die Brücke gefalle und forderte ihn auf, einmal     darüberzu gehen.
   Der schlaue Bauer wehrte ab: "Nein, nein! Meine Tochter kommt gleich!"           Nun freute sich der Teufel noch mehr, denn eine junge Menschenseele war ihm viel lieber, weil er ja  meistens nur alte Leute erhaschen konnte. 
  Der Bauer war wieder heimgeeilt; er traf seine Familie bereits  fertig vor dem Haustor an. Er aber eilte in den Stall und zog seine scheckige Geiß mit den großen Hörnern vor seine    Tochter hin.
   "So", und jetzt treibst du du unsere Geiß vor dir her über die  ihr Silbergrabenbrücke" befahl der Bauer der Braut, die bereits Hochzeitskleid trug. Alle wollten widersprechen, der Bauer aber ließ nicht locker. So machte sich denn das Mädchen mit der Ziege auf den Weg, und in einem größeren Abstand folgten die anderen nach.
      Geduldig schritt die Ziege auf die Brücke zu. Als sie aber am wartenden Teufel vorüberziehen wollte, geriet dieser derart in Wut, daß er dem armen Tier sen Schwanz ausriß. Dann fuhr er mit Feuer und Schwefelgestank in die Hölle. 
   Die Tochter holte beim reichen Vetter das versprochene Geld. Damit fing der arme Bauer einen gutgehenden Handel an. Er hatte dabei Glück, so daß sich nach und nach in seinem Hause der Wohlstand einstellte. Schon bald konnte er seinem geizigen Vetter das Geld samt Zinsen zurückgeben.           

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Die Gräfin Salamanka
   Im Jahre 1524 wurde der spanische Graf Gabriel Salamanka mit der Herrschaft Ortenburg belehnt. Weil es den Salamankas auf der schattseitigen Ottenburg nicht gefiel, bauten sie im Markt Spittal an der Drau ein herrliches Schloß, das noch gegenwärtig als Schloß Porcia von vielen Besuchern bewundert wird.
   Einer der spanischen Grafen, Georg von Salamanka, besaß eine habgierige und stolze Gemahlin namens Katharina. Während der Graf sehr gutmütig und milde zu seinen Untertanen war, wurde Katharina von Salamanka immer herrschsüchtiger und stolzer. Nur ihren einzigen Sohn, Johann, liebte die Gräfin sehr, und ihn verwöhnte sie in jeder Weise. Das Volk aber wurde von ihr schlecht und hart behandelt.
   Einmal gab der Graf auf seinem schönen Schloß zu Spittal ein Fest, zu welchem er alle seine Ritter eingeladen hatte. Die besten Speisen und Getränke wurden dabei aufgetragen. Durch dieses Fest angelockt versammelte sich die arme Bevölkerung von Spittal im Burghof und bat die Gräfin um die Abfälle des Gastmahles. Die Gräfin Salamanka befahl den Leuten, den Hof zu verlassen. Weil diese dem Befehl nicht sogleich nachkamen, hetzte die Gräfin die Hunde ihres Sohnes auf die Leute. Voll Schrecken flohen die Menschen aus diesem ungastlichen Schloß. Nur der alte Mesner des Marktes besaß nicht mehr die Kraft zur eiligen Flucht. Über ihn fielen nun die beiden bissigen Doggen her und rissen ihn nieder. Sterbend rief er der unmenschlichen Gräfin die Worte zu: "So wie ich jetzt sterbe, wird auch Johann, Euer Sohn, einst enden!"
   Bald nach diesem schrecklichen Vorfall erfuhr man im Schlosse zu Spittal, daß sich in Villach spanische Reiter aufhielten, die auf dem Wege nach Wien waren. Johann von Salamanka beschloß, nach Villach zu reiten, um seine Landsleute zu begrüßen.
   Obwohl ihm die Mutter von diesem Unternehmen abraten wollte, weil sie böse Träume gehabt hatte, ließ sich Johann nicht zurückhalten. Er ließ seine Rappen satteln und begab sich in Begleitung seiner Doggen nach Villach. Dort sprach ihn der Sohn jenes Mesners aus Spittal an, der beim Festmal so erbärmlich hatte enden müssen. Der junge Reiter stand schon längere Zeit in spanischen Diensten und wollte wissen, was es in der Heimat Neues gäbe und wie es seinem alten Vater gehe. Johann verschwieg das furchtbare Geschehen und erzählte dem Reiter nur schöne Dinge. Dieser war über das Gehörte so erfreut, daß er Johann von Salamanka zwei Hunde von edler Rasse schenkte. Der junge Graf streichelte voll Freude sie schönen und wertvollen Tiere. Nun begannen aber seine eigenen Hunde zu knurren. Aus Eifersucht sprangen sie die fremden Hunde an. Als Johann die raufenden Hunde mit seiner Peitsche trennen wollte, wurden sie so wütend, daß alle vier den jungen Grafen ansprangen und ihn zu Boden rissen. Noch ehe man ihm Hilfe bringen konnte, war sein Leben zu Ende.
   Die Gräfin Katharina von Salamanka war über den Verlust ihres einzigen Sohnes sehr traurig. Bald darauf verlor sie auch noch ihren Mann, der bei der Nachricht vom Tode seines Erben einen Schlaganfall erlitten hatte.
   Nun herrschte die einsame Gräfin noch grausamer als vorher. Sie entließ sogar die Dienerschaft und wandte ihr ganzes Sinnen und Trachten nur noch den reichen Schätzen zu, die im schönen Schloß aufgehäuft waren. Sie besaß keinen Erben und wollte nicht, daß diese Schätze einmal in fremde Hände kommen sollten. Sie ließ durch ihre einzige Zofe einen Maurer in das Schloß rufen, der in einem finsteren Kellergewölbe ihr Geld und ihren Schmuck vermauern mußte, damit niemals ein Mensch diesen Reichtum finden könne. Sowohl der Maurer als auch die Zofe mußten vorher einen heiligen Eid schwören, niemandem zu verraten, wo der kostbare Schatz aufbewahrt wurde. Weil aber die Gräfin keinem Menschen traute, stieß sie den Maurer nach getaner Arbeit mit Hilfe der Zofe in das Burgverlies hinunter, wo er elendiglich sterben mußte. Nun wußte nur noch die Zofe das geheimnisvolle Versteck. Die Salamanka wollte auch diese letzte Zeugin beiseite schaffen. Eines Nachts als die Dienerschaft schlief, schlich sie in ihre Kammer und schlug ihr mit dem Absatz eines Pantoffels so heftig auf den Kopf, daß die Zofe nie wieder erwachte.
   Nach diesem Doppelmord hatte aber die Gräfin Salamanka keine Ruhe mehr. Ihr Gewissen quälte sie so arg, daß sie Tag und Nacht in banger Hast durch die öden Säle und Gänge des Schlosses irrte. SalamankagespenstEines Tages wurde die Gräfin tot im Schloß aufgefunden. Obwohl man sie in die Gruft der Schloßkapelle legte, fand sie auch dort keine Ruhe. Heute noch wandelt ihr Geist als Gespenst durch das Spittaler Schloß, und einige Bewohner sollen diesem Gespenst begegnet sein.
   Das große Schloß kam später in den Besitz der italienischen Fürsten von Porcia, die es noch schöner ausbauten. Einmal wurde dort die Hochzeit für eine sehr anmutige Fürstentochter vorbereitet. Viele fleißige Frauen nähten an ihrer Ausstattung. Was aber diese Frauen bei Tage erarbeiteten, wurde nachts wieder vernichtet, und am Morgen fand man die zerissenen Lappen in allen Ecken des Saales verstreut. Es gelang den Fürsten nicht, diesem seltsamen Spuk ein Ende zu bereiten. Nun begannen die Leute heimlich zu füstern: "Die Salamanka, die Salamanka tut das!" - Sie betrachteten dieses Tun als Andeutung eines kommenden Unheils.
   Einige Tage später erschien ein schwarzgekleideter Bote mit der Nachricht im Schloß, daß der Bräutigam auf der Reise nach Spittal verstorben sei.
   Die Salamanka hatte also das Unglück richtig gedeutet.
Einmal hörte ein junger Soldat, in der in einer Schenke in Spittal übernachtete, vom Schloßgespenst erzählen. Weil er an derlei Dinge nicht glaubte, holte er sich die Erlaubnis, die kommende Nacht im Schloß verbringen zu dürfen. Als der nächste Morgen graute, verließ er das Schloß auf dem kürzesten Wege, ohne jemandem von den  Erlebnissen dieser Nacht zu erzählen.  Der Kastellan aber entdeckte an der Wand des Ahnensaales die Spuren kräftiger Säbelhiebe. Hier mußte er wohl mit der Salamanka gekämpft haben.
   Ein anderes Mal saß im Schloß zu Spittal eine große Gesellschaft bei einen festlichen Mahl. Da blickte ein Mann suchend von einem Gast zum anderen.Als ihn die Schloßfrau fragte, wen er vermisse, gab er folgende Auskunft: "Als in der letzten Nacht schon alle schliefen, habe ich noch einen Brief geschrieben. Plötzlich ist meine Kerze ausgelöscht. Da erinnerte ich mich daß draußen am Gang ein Lämpchen brennt. Daran wollte ich meine Kerze wieder anzünden. Dort kam mir nun eine hohe todblasse Frau mit einer Lampe entgegen, die mir deutete, meine Kerze an ihrem Licht anzuzünden. Hierauf ist sie schweigend weitergeschritten. Diese Frau, die ich für die Altmutter dieses Hauses halte, habe ich hier an der Tafel gesucht."
   Die Schloßfrau wurde nun sehr ernst und schritt mit dem Gast hinüber in den Ahnensaal. Dort blickten sie auf die großen Bilder. Vor dem Bild der Salamanka rief der Fremde aus: "Diese Frau ist es die ich in der Nacht auf dem Gang traf!"
   Zurückgekehrt an die festliche Tafel, erzählte nun die Hausfrau den Gästen, was man im Schloß von der Salamanka wußte. Während die meisten über die Erzählung lachten und nicht daran glaubten, packte einige der Gäste doch ein heimliches Grausen vor diesem Schloßgespenst.
   Ein übermütiger Gast faßte den Entschluß, sich als Gräfin Salamanka zu verkleiden und an der Festtafel zu erscheinen. Die Feigen wollte er mit diesem Spaß erschrecken, den Mutigen aber ein Gaudium bereiten. Er verhüllte sich in ein weißes Linnen, nahm eine Laterne in die Hand und stellte sich in eine Nische des prachtvollen Säulenganges. Hier wollte er warten bis einer von der Tafel vorübergehe, um diesen zu erschrecken.
   Bald hörte der verkleidete Mann wie sich ihm Schritte näherten. Er trat vor und wollte die Lampe heben, vor ihm aber stand die Salamanka. Sie starrte ihn mit zornigen Blicken an. Mit kraftvollen Händen stieß sie den Entsetzten zurück, der regungslos auf dem Gang liegen blieb, bis man ihn am nächsten Morgen fand. Als er wieder zu sich gekommen war, erzählte er das böse Erlebnis der letzten Nacht.
   Seit damals hat niemand mehr einen solchen Frevel gewagt. Die Salamanka aber wandelt weiter durch das Schloß Porcia. Niemand weiß, wann sie endlich Ruhe finden wird.
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 Der Kärntner Untersberg
   Zwischen Steinfeld und Kleblach befindet sich der Kärntner Untersberg, dessen unterirdischen Gänge mit dem Untersberg bei Salzburg verbunden sein sollen, wo Kaiser Friedrich Rotbart, auch Barbarossa genannt, an einem großen Marmortisch schläft. Rings um den Kaiser schlafen auf dem Boden seine vielen Soldaten, bis zu einem letzten Entscheidungskampf zwischen Gut und Böse geweckt werden. 
   Daß die Höhlen des richtigen Untersberges von Salzburg bis in das obere Drautal herüberreichen, wollen die Einheimischen durch etliche sonderbare Ereignisse bewiesen  erhalten haben. 
   Der Kärntner Untersberg ist ein niederer, etwa zwei Kilometer langer, Waldrücken, auf dem einige Bauernhöfe stehen. Wenn man über den "Krams" wandert, wie diese Gegend heißt, so hört man deutlich ein hohles Dröhnen unter den Füßen - das sind die Höhlen, in denen die Krieger Kaiser Rotbarts schlafen.
   Vor etlichen Jahren ging in der Christnacht ein Bauer allein von Kleblach hinauf auf den Krams. Als er auf eine lichte Tratte kam, sah er eine Unzahl von Soldaten mit Spießen aufmarschieren. Ihre Eisenpanzer funkelten im  Mondlicht, und sogar Kriegsmusik war hörbar. Sofort eilte der Bauer zu seinem Hof, um die Leute zu wecken. Gemeinsam betrachteten sie nun eine Weile das seltsame Schauspiel, bis die Krieger mit schmetternder Musik abzogen und im Dunkel des Waldes verschwanden. - Das sind sie gewesen, die Krieger des Barbarossas, die auch schon andere Bauern des Drautales gesehen haben wollen. 
   Eine Hiesbäuerin auf dem Krams hatte sogar das große Glück, einen Blick in das Berginnere tun zu dürfen. Als sie an einem Sonntagmorgen die Kühe auf die Weide trieb, begegnete ihr ein kleines Männlein, das ihr winkte, ihm zu folgen: Die Hiesbäuerin ging ohnr Bedenken dem Männlein nach, das plötzlich durch ein hohes Tor in den Berg hineintrat. Hier sah sie, was die Leute oft erzählten. An einem steinernen Tisch schlief, das Haupt auf die klobigen Arme, gelegt, ein alter Mann, dessen silbergraue Bart um den Tisch gewachsen war. Ringsum in der weiten, hellen Halle kauerten   schlafend  viele Krieger auf dem Boden. Zwischen ihnen aber eilten kleine, wunderlich gekleidete Männlein hin und her und verschwanden wieder in den vielen Säulengängen, die sich ganz tief in die unterirdische Bergwelt hineinzogen. Die Bäuerin betrachtete staunend die vielen Wunder in ihrer Umgebung, und als sie das Männlein wieder ins Freie führte, glaubte sie, erst einige Minuten im Berg verweilt zu haben. 
   Nun fand dieHiesbäuerin auf der Weide ihre Kühe nicht mehr, und als sie besorgt wieder das Haus betrat, sah sie dort lauter fremde Menschen, nicht ihren Mann und ihre Kinder. Nur ein ganz alter Knecht, der früher bei anderen Bauern auf dem Krams gedient hatte, war dort und erinnerte sich noch, daß vor vielen Jahren eine Hiesbäuerun verschwunden und nie wieder gesehen worden sei. Mit einem Aufschrei gestand nun die Frau, jene verschwundene Bäuerin zu sein. Sie war ein ganzes Menschenalter lang im Berg gewesen. Die Bäuerin schloß bald nach ihrer Heimkehr die Augen für immer. 
   Einmal kam ein italienischer Weinhändler die Straße durch das Drautal herunter. Plötzlich tat sich vor ihm, unweit von Kleblach, ein großes Felsentor auf, und ein Mann in schimmernder Eisenrüstung forderte ihn auf, sein Gefährt in den Berg zu lenken. Der Italiener tat, wie ihm befohlen und gelangte bald in eine geräumige Halle, wo schmucke Knappen die Weinfässer abluden. Hierauf erhielt der Fuhrmann vom Krieger, dem er gefolgr war, mehrere Fäuste voll mit Goldmünzen, weit mehr, als der Wein kostete.  Hocherfreut lenkte der Italiener sein Gespann wieder aus der Höhle und fuhr über Lienz und Brixen gegen Süden.
   Als der Italiener im nächsten Jahr wieder mit einer Fuhre Wein in das Drautal kam, fand er nirgends mehr das geheimnisvolle Tor, obwohl er der Meinung war, sich jene Gegend genau gemerkt zu haben. 
   Bis heute hat das Tor im Kärntner Untersberg niemand mehr enrdeckt, und es dürfte auch den kommenden Geschlechtern verborgen bleiben.                

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Die Entstehung von Maria Pirkach
     Westlich von Oberdrauburg steht ganz knapp vor der Tiroler Grenze am rechten Ufer der Drau mitten im Feld die schöne und große Wallfahrtskirche Maria Pirkach. Über ihre Entstehung weiß man folgende Sage zu erzählen:
   Bei Oberdrauburg lebte einst ein Gutsbesitzer, dessen Tochter Agnes schon als Kind himmlische Erscheinungen zu sehen bekam.  Einmal hütete Agnes mit fünf anderen Kindern an der Drau die Schafe. Plötzlich erblickte sie in einer schlanken Birke die Muttergottes mit goldener Krone und blauem Mantel. Auch die anderen Kinder sahen diese wunderbare Erscheinung und erzählten ihren Eltern davon. Nun stellte die Obrigkeit eine Untersuchung an. Weil die Erwachsenen in der Birke nichts Besonderes bemerken konnten, gaben auch die Kinder  ihre Behauptungen nach und nach wieder auf. Nur Agnes blieb trotz aller Ermahnungen und Drohungen der Leute bei ihrer Aussage. Nun glaubten viele Bewohner der oberen Drau dem Mädchen und kamen in Scharen zu jener Birke, um dort zu beten.
   Das paßte dem Pfleger von Oberdrauburg nicht, und er ließ den Baum fällen. Jetzt versammelten sich die Leute vor dem grauen Strunk. Als man auch diesen samt Wurzel entfernt hatte, beteten die Leute am aufgerissenen Boden. Aller Hohn und Spott konnte sie nicht von ihrem frommen Beginnen abhalten.
     Auch Agnes kam immer wieder dorthin und erzählte den Leuten, daß ihr Maria fast täglich erscheine. Sie berichtete, daß ihr die Himmelskönigin auch schon wichtige Offenbarungen gemacht habe, daß schlimme Zeiten mit Krieg und Pest, Erdbeben und Überschwemmungen in das Land kommen würden. Agnes forderte schließlich die Menschen auf, an der Stelle der entfernten Birke eine Kirche zu erbauen, die bald eine berühmte Wallfahrtskirche werden könnte.
Maria Pirkach
Die Gläubigen waren von diesem Vorschlag begeistert. Sie traten an den frommen Herrn von Tschabuschnig, den Besitzer des Raknitzgutes bei Lind, mit der Bitte heran, den Kirchenbau zu übernehmen; sie selbst wollten den Bau nach besten Kräften durch Spenden unterstützen. Nachdem sich dieser edle Herr noch mit dem Propst von Winklern ausgesprochen hatte, kam es tatsächlich zum Bau der Kirche, die Maria in Pirkach genannt wurde.
 
  
Wallfahrtskirche Maria Pirkach   
 
      Weil aber der Kirchenbau ohne Genehmigung der Obrigkeit und die Weihe ohne Befragung des Bischofs vorgenommen waren, ließ man die Kirche sperren, und niemand durfte sie betreten. Die Menschen aber kamen immer wieder nach Maria Pirkach, und nachts sahen die Fenster des versperrten Gotteshauses oft hell erleuchtet. Davon erhielt auch der Bischof Nachricht, so daß er letzten Endes doch die Erlaubnis zur Benützung dieser schönen Kirche erteilte.
      Maria Pirkach am Fuße des Hochstadels ist inzwischen zu einem sehr beliebten Wallfahrtsort der Oberkärntner und Osttiroler geworden.  
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 Die grausamen Ritter von Stein
   Im oberen Drautal steht unweit von Dellach am rechten Ufer der Drau auf einem steilen Felsen die Burg Stein. Im Mittelalter lebten auf jener Burg sehr hartherzige Ritter, deren Grausamkeit in zwei Sagen fortlebt.
   Von einem Ritter wird erzählt, daß er noch an die heidnischen Götter glaubte, obwohl viele seiner Untertanen bereits den  Christenglauben angenommen hatten. Auch seine drei Töchter bekannten sich schon zum neuen Glauben. Die Edelfräulein holten das Kreuz und die heiligen Bücher jedoch nur ais dem Versteck, wenn der Ritter nicht auf der Burg weilte.
   Einmal aber hat der heidnische Herr von Stein seine drei Töchter beim Beten in ihrem Zimmer überrascht. Darüber geriet er in so sinnlose Wut, daß er eine nach der anderen durch das offene Fenster in den Abgrund warf. Als sich das Feuer seines Zorns etwas gelegt hatte, blickte er in die schaurige Tiefe. Zu seiner größten Verwunderung  sah er, daß seine drei Töchter unverletzt durch das Tal nordwärts schritten und fromme Lieder sangen. 
   Die drei Edelfräulein überquerten die Drau und wanderten hinauf nach Irschen, wo sie sich für die Zukunft niederließen und hilfreich den leidenden Menschen beistanden. Im Johanneskirchlein neben Irschen zeigt man noch gegenwärtig das Bild der drei Schwestern von Stein, und am Fuße der Burg, wo die Verstoßenen nach dem Sturz wieder den Erdboden berührten, wachsen im weiteren Umkreis die schönsten Zyklamen des Kärntner Oberlandes.
   Grausamkeit und Zorn auf der Burg Steinzeichneten auch den Ritter Bibernell von Stein aus. Wer zu diesem Herrn in der Burg kommen mußte, nahm gleich von all den Seinen Abschied, weil selten einer aus den Mauern zurückkehrte.
   Der Herr von Bibernell besaß eine Tochter, die als die schönste Jungfrau im ganzen Tale galt. Sie liebte den einfachen Burgschreiber von Greifenburg. Der Herr von Stein aber erlaubte keine eheliche Verbindung mit einem so niedrigen Untertan. Darum foh der Schreiber mit seiner Braut in einer dunklen Nacht über die Berge nach Italien. Dort schlossen sie in einer Kirche den Bund der Ehe und führten ein rechtschaffendes Leben.                                     Herr von Bibernell auf Burg Stein 
  
   Der Herr von Bibernell war wütend über die Entführung seiner einzigen Tochter und sandte Knechte aus, um die Verlorene zu suchen. Über ein Jahr lang ritten die Männer kreuz und quer durch die benachbarten Länder und kamen schließlich dem glücklichen Paar auf die Spur.
   Nun ließ Herr Bibernell der Tochter mitteilen, er wolle ihr die Flucht verzeihen, wenn das Paar heimkomme und auf der väterlichen Burg nochmals Hochzeit feierte. Die beiden zogen auf die Burg Stein zurück. Dort wurde ein prunkvolles Fest vorbereitet, und der Burgkaplan gab dem Paar nochmals den ehelichen Segen.
   Als nun beim folgenden Festmahl dem glücklichen Paar aus goldenen Bechern getrunken wurde, erhob es freudestrahlend den Pokal. Kaum aber hatte die Tochter den Becher geleert, so sank sie mit dem Aufschrei: O weh, ich bin vergiftet!" auf den Stuhl zurück. - Wenige Augenblicke später spürte auch der Bräutigam das tödliche Gift, das der Vater in den Wein gegeben hatte. Mit Entsetzen starrte der junge Mann in das höhnische Gesicht des Ritters Bibernell. Dann aber raffte der ehemalige Schreiber von Greifenburg seine letzte Kraft zusammen, stürzte sich auf seinen Schwiegervater und stieß ihm den Dolch in das Herz.
   Nach einer alten Sitte wurden die Ritter von Stein in Maria Luggau im Lesachtal begraben. Darum wurde auch Bibernells Leichnam mit einem Pferd auf den Gailberg gegen Luggau geführt, gefolgt von den meisten seiner Untertanen. Als der Trauerzug auf dem Paß angekommen war, hörte man plötzlich ein lautes Geräusch im Sarg. Die Leute öffneten den Sarg, doch dieser war leer. - Der Teufel hatte den grausamen Ritter von Stein geholt.       

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Pankratz, der Dieb von Greifenburg
      In Greifenburg besaß eine Magd einen Buben, der Pankratz hieß. Wenn dieser Bub seine Hose zerriß, so sagte seine Mutter zu ihm einfach: "Pankratz, stiehl irgendwo eine Nadel mit Faden oder stiehl einen Fleck, damit ich dein Loch wieder zunähen kann!"  - So wurde der Bub zu einem gefährlichen Dieb, der alles mitgehen ließ, was locker war. am liebsten stieg er in die Speisekammern und stahl die Butter aus den´m Kübel, den Speck vom Haken, das Brot aus der Reben und sogar die Eier vom Nest. Als er größer wurde, nahm ihn niemand zu einer Arbeit auf, weil jeder den Dieb fürchtete. Nun trieb sich der Bursche in den Gräben und Wäldern ober Greifenburg umher und scheute auch nicht vor einem Mord oder Brand zurück.
   Als Pankratz einmal dem Teufel begegnete, schloß er mit diesem einen Bund. Als Gegenleistung Greifenburg,Kärntenfür seine Seele lehrte ihn der Teufel die Schwarzkunst, daß er durch die Mauern und Türen eindringen konnte, wenn er diese mit einem Stückchen Holz berührte. Nur vor Greifenburg warnte ihn der Höllische: "Dort wird es dir schlecht gehen! Dort wirst du nicht mehr loskommen!"  Pankratz war zu einem gefährlichen Räuber und Einbrecher geworden. Man hatte ihn in den Nachbartälern zwar oft gefangen und eingesperrt, doch immer wieder erlangte er mit Hilfe eines Hölzchens die Freiheit.
   Doch Pankratz plagte das Heimweh, darum zog es ihn sehr oft nach Greifenburg zurück. Dort wurde er auch bei einer Missetat erwischt und in den Keich - Kerker -  gesperrt. Dieser besaß eine Eisentür, und auf dem Boden lag ein dünnes Strohbündel. Diesmal hatte Pankratz kein Hölzchen bei sich, und in der Keichn fand er auch keines.
   "Jetzt geht's mir an den Kragen", dachte er schon ganz wehmütig. Als er aber auf dem Platz draußen Kinder spielen hörte, schrie er durch das "Guckerl" hinaus: "Schmeißts mir doch ein Steckerl herein!" - Die Kinder warfen tatsächlich ein Hölzel herein, und amit konnte Pankratz wieder die Freiheit gewinnen. Nun floh er auf den Kreuzberg hinüber, wo er einem Weiblein begegnete. Auf seine Frage wohin es gehe, erhielt er die Antwort: "Nach Greifenburg!" Greifenburg"So nimm für den Pfleger einen Gruß mit", meinte er, legte das Weiblein über das Knie und schlug sein Hinterteil mit Schuhnägeln voll. - "So", sagte Pankratz, als er fertig war, "wenn der Pfleger das sieht, "weiß er schon wer ihn grüßen läßt."
   Als der Pfleger von dieser neuen Schurkerei des Pankratz erfuhr, forderte er alle Greifenburger auf, den elenden Missetäter zu fangen. Bald brachten sie Pankratz gefesselt vor den Pfleger, der erklärte: "Jetzt machen wir kurzen Prozeß! Führt ihn zum Galgen und hängt ihn auf!" Nun mühten und plagten sich die Leute, aber sie brachten den Verurteilten vom Marktplatz nicht weg. Da riet eine alte Frau: "Legt rotlärchene Bretter auf den Weg! Solang er auf der bloßen Erde steht, hilft ihm der Teufel."
   Nun legten die Leute vom Marktplatz bis zum Galgen rotlärchene Bretter, und auf den Brettern brachten sie Pankratz wirklich bis dorthin. Auf dem Galgenbühel wollte man ihm einen letzten Wunsch erfüllen. Er bat, noch einmal seine Mutter sehen und ihr einen Abschiedskuß geben zu dürfen. Die Mutter wurde geholt. Pankratz fiel ihr weinend um den Hals, biß ihr die Nasenspitze ab und sagte: "Hättest du mich nicht das Stehlen gelehrt, so würde ich jetzt nicht aufgehängt werden. Das ist der Dank dafür!" Pankratz soll der letzte Verbrecher gewesen sein, der auf dem Greifenburger Galgenbühel hingerichtet worden ist.        

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Die Saligen Frauen vom Weißensee  
   Wo im östlichen Becken des Weißensees die Felsen fast senkrecht in die Höhe wachsen, wohnten früher hoch über dem Wasser im Dolmetzenloch die Saligen Frauen,
    Sie glichen unseren gütigen Feen und sehnten sich auch manchmal nach menschlicher Gesellschaft. Dann schwebten die sonst unsichtbaren Wesen in Frauengestalt  aus ihrer armseligen Behausung herunter an das Ufer des Sees. Sie halfen den Leuten sogar bei der Feldarbeit, nahmen jedoch dafür keinen Lohn an. Wer sie beschenken wollte, vertrieb sie. Salige FrauenwesenAber auch Lärm und Fluchen, Peitschenknall und Bosheit haben die Saligen für immer aus unseren Bergen verscheucht.
   Die Weißenseer wissen zu berichten, daß man sich eine Salige auch gefügig machen konnte, wenn man ihr die Kleider wegnahm. Dies gelang einem Bauer aus Techendorf, der eine Salige beim Baden unter dem Dolmetzenloch antraf. Vorsichtig war er dorthin gerudert und hatte die Kleider der Saligen Frau in sein Boot gelegt. Er gab ihr die Kleider nicht wieder zurück, so sehr sie auch darum bettelte. Der Bauer zwang die Salige sogar in sein Boot zu steigen und ihm als Frau in sein Haus zu folgen. Weil eine Flucht nicht mehr möglich war, willigte sie unter der Bedingung in eine Ehe ein, daß der Bauer sie niemals durch Händeklatschen erschrecke.
   Der Bauer heiratete nun die Saluge Frau. Die Ehe schien einen glücklichen Verlauf zu nehmen, und die Weißenseer beneideten ihren Nachbar um die schöne fleißige Bäuerin. Da verirrten sich einmal  die Schafe in sein Haus und der Bauer klatschte nach alter Gewohnheit in die Hände, um die Tiere zu vertreiben.
   Mit diesem Tage verließ das Salige Eheweib das Haus und kehrte nicht mehr zurück, so sehr der Bauer auch sein unbedachtes Tun bereute, Nur jeden Sonntagmorgen erschien sie heimlich , wusch und kämmte die Kinder und brachte die Stube in Ordnung. - Einmal lauerte ihr der Bauer auf, bat sie inständig um Verzeihung und flehte sie an wieder bei ihm zu bleiben. Seit jenem Sonntag besuchte die Salige auch ihre Kinder nie wieder.
   Noch ein weiterer Bauer vom Weißensee hat unter Neusach die Kleider einer badenden Saligen Frau erhascht. Auch dieser zwang sie, ihm in sein Haus zu folgen und seine Frau zu werden. Die Frau versprach dem Bauer, ihn zu heiraten, wenn er nie mit den Händen eine abwinkende Bewegung mache. Würde er nur einmal dieses Verbot nicht beachten, so müßte sie ihn wieder verlassen. Der Bauer wollte sein Versprechen unbedingt halten, und die beiden wurden ein glückliches Ehepaar.
   Doch einmal kamen die Hühner bis in die Küche hinein, und der Bauer jagte sie dadurch wieder hinaus, daß er mit den Händen fuchtelte. Seit dieser Stunde war die Bäuerin aus dem Hause verschwunden.
   Der Bauer heiratete bald wieder eine zweite Frau weil der Hof wieder eine Bäuerin brauchte. Einmal bemerkte diese zweite Frau, wie aus ihrem Bett ein langer Zopf heraushing, Sie nahm die Schere und wollte ihn abschneiden. Nun stand plötzlich die erste, die Salige Frau des Bauern, vor ihr und sprach sie an:
"Krumm und krank in diesem Haus,
und nicht mehr draus!"
   Das geisterhafte Wesen verschwand. Seit jener Stunde aber hinkte der Bauer auf einem Bein, und auch alle folgenden Besitzer jenes Bauernhofes am Weißensee sind krumm geblieben. - So hat die Salige Frau das vergessene Versprechen ihres Ehemannes bestraft.          
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Die Frevler von Steinfeld  
   Der alte Markt Steinfeld im oberen Drautal hieß früher Schönfeld. Die ganze Gegend trug fruchtbare Äcker und üppige Wiesen. Und tief drinnen im Rottensteiner Graben, durch den ein Wildbach herunterbraust und mitten durch den Markt der Drau zueilt, haben viele Knappen nach Gold und Silber gegraben. Die Männer lebten sorglos in den Tag hinein und wurden wegen ihres Reichtums immer übermütiger. Besonders oft waren sie auf der Kegelbahn zu finden, wo sie mit Käsekugeln nach Kegeln aus Butter schoben.
   Als sich die vielen Bergknappen wieder einmal in einem Gasthof dem Alkohol ergaben, wußten sie in ihrem Weintaumel nichts anderes zu tun, als einen lebenden Stier mit glühenden Zangen die Haut vom Leibe zu reißen. Obwohl das gemarterte Tier wegen der furchtbaren Schmerzen erbärmlich aufbrüllte, streuten die besoffenen Männer auch noch Salz auf die Wunden. Da überschrie plötzlich eine Stimme das Brüllen des Stieres:
"Heute Schönfeld - Morgen Steinfeld!"
   Noch in der Steinfeld im Drautalfolgenden Nacht ging ein unheimlicher Wolkenbruch auf jenes Bergreich nieder, und der tobende Wildbach riß Bäume und Steine auf die reiche Gegend hinab. Die Häuser mit ihren Bewohnern wurden in die Drau mitgerissen. Die vernichtende Gries hatte das reiche Schönfeld in ein armseliges Steinfeld verwandelt. Etliche Meter hoch lagen Schutt und Geröll auf den ehemals blühenden Fluren.
   Erst allmählich wurde durch den Fleiß der Bewohner jener Gegend diese Steinwüste wieder für menschliche Siedlungen brauchbar gemacht. Der Name Steinfeld ist aber für immer geblieben.     

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 Der heilige Mann von Pusarnitz
   In alten Zeiten wanderte ein fremder Mann von Sachsenburg hinauf in den Nigglaigraben, der tief in die Kreuzeckgruppe reicht. Jener fremde hieß Zacharias Laggner, ließ sich droben unter dem Keuschenwald nieder und erbaute unter einer neunwipfeligen Lärche seine erste Heimstatt. Von hier aus rodete er die ganze Umgebung und gewann durch seinen Fleiß in der Nigglai im Laufe der Zeit viel kostbares Ackerland. Er baute so viele Häuser auf den steilen Hang, daß er schließlich jedem seiner neun Söhne einen schönen Hof übergeben konnte. 
   Zacharias Laggner, der vom oberen Keuschenwald sein ganzes Besitztum überblicken konnte, führte ein vorbildliches, christliches, Leben, während die Bevölkerung im Tale noch an die heidnischen Götter glaubte. Auch seine Söhne erzog er zu anständigen  Christen, und die Bevölkerung des Lurnfeldes bezeichnete ihn bald als "heiligen Mann". Sie folgte nach und nach seinem edlen Beispiel.
   Der heilige Mann achtete besonders streng auf die Einhaltung der Feiertagsruhe vor Sonn- und Festtagen. Weil er die Feierabendglocke im drei Gehstunden entfernten Pusarnitz,  Kirche von Pusarnitz, Lurnfeldzu dessen Pfarrsprengel damals die Nigglai gehörte, nicht hören konnte, gab ihm der Himmel selbst an solchen Tagen um zwei Uhr nachmittags durch ein wunderbares Läuten das Zeichen des Feierabends. Zur Erntezeit ließ er es nicht einmal zu, daß man ein Heu- oder Getreidefuder, welches man beim Läuten der himmlischen Glocke gerade durch das Scheunentor führte, weiter auf die Tenne brachte. - Nur ein einziges Mal, als er mit einem Heufuder schon ganz knapp vor der Tenne vom himmlischen Geläute überrascht wurde, fuhr er noch die paar Meter weiter bis ans Ziel. Wegen dieser ganz geringen Übertretung, hörte er sieben Jahre lang nicht dieses Feierabendgeläute.
   Der heilige Mann besuchte an jedem Sonn- und Feiertag den Gottesdienst in Pusarnitz. Auf dem Weg zur Kirche konnte er trockenen Fußes  durch das Waser der Möll schreiten - die Möllbrücke gab es damals noch nicht. 
   An einem schönen Samstag begleitete er den Pfarrer von Pusarnitz auf einem Versehgange nach Radelberg. Sie schritten mitten durch die Getreidefelder, auf welchen die reifen Docken standen. Plötzlich blieb der Pfarrer stehen und blickte starr auf die Docken unterhalb des Weges. - "Wie kommt es, daß hier unter jeder Docke eine Kröte sitzt, während man ober dem Weg gar nichts davon bemerkt?" - Der heilige Mann erwiederte: "Der Bauer, dem das untere Feld gehört, hat auch nach dem Feierabendläuten noch gesrbeitet, und mit den häßlichen Kröten hat ihn nun der Herrgott  bestraft". 
   Der heilige Mann konnte auch die Geister sehen, und er sah sogar den Teufel, der sich meistens unsichtbar unter die Menschen gesellte, um ihr sündhaftes Tun zu beobachten und sie im richtigen Augenblick für die Hölle zu erwischen. Außerdem besaß Zacharias Laggner ein Paar Schuhe, mit welchen er meilenweit ausschreiten konnte.
   Der heilige Mann, der auch seine Todesstunde voraus wußte, ließ seine Söhne an das Sterbebett rufen, ehe er die Augen für immer schloß. Er gab ihnen den Auftrag, seinen Leichnam auf einen Karren zu legen und ihm ein Paar ungelernte Ochsen vorzuspannen, die noch niemals einen Wagen gezogen haben. Die Ochsen solle man nach ihrem Willen gehen lassen, und wo sie halten würden, seinen Leichnam bestatten. Vom rechten Ochsen solle man nach dem Schlachten das rechte Horn aufbewahren. Wenn man dieses blase, könne man damit ein drohendes Gewitter vertreiben. 
   Die Söhne erfüllten den letzten Willen ihres Varters. Zwei schwarzgefleckte Öchslein zogen den Leichenwagen durch den Nigglaigraben hinunter zur Drau, an Sachsenburg vorbei und hinaus gegen Möllbrücke. Die Trauergäste glaubten, am Flusse würden die Ochsen stehen bleiben, weil ja noch die Brücke fehlte. Zum Erstaunen aller aber zogen die Ochsen den Sarg durch das reißende Wasser und stapften quer durch die Felder des Lurnfeldes hinauf gegen Pusarnitz. Im Friedhol hielten die Ochsen neben der Kirche und waren nicht mehr von der Stelle zu bringen. So wurde nun der heilige Mann gleich neben der Kirche in geweihter Erde bestattet. 
   In den nächsten Tagen schien es aber, als sollte der Verstorbene dort nicht die richtige Ruhe gefunden zu haben, denn in der Nigglai regnete es ununterbrochen und es gab keine Ernte. Darum beschlossen die Nigglaier, ihrem Ahnherrn ein würdigeres Grab zu geben. Nach langer Beratung kamen sie mit dem Pfarrer überein, über seinem Grab an der Nordseite der Kirche eine Kapelle zu erbauen, diese mit der Kirche durch Beseitigung der Zwischenwand zu verbinden und ihm dort ein Denkmal zu setzen. Und jene lebensgroße, hölzerne Statue ruht noch heute auf dem Grabe des heiligen Mannes in einer Mauernische der Kirche von Pusarnitz.               

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Maria Hohenburg
   Wer durch das Lurnfeld fährt, sieht hoch über Pusarnitz vor dem dunklen Waldhang die weiße Kirche Maria Hohenburg mit ihrem freundlichen Zwiebelturm.Maria Hohenburg 76 Stufen führen zu ihrem Portal hinauf, und der Besucher erlebt dort oben einen herrlichen Rundblick. Daneben stand einst die Burg. der Grafen von Lurn, die gegenwärtige Kirche ist aus ihrer ehemaligen Burgkapelle entstanden. Von der Burg selbst erkennt man nur noch geringe Reste. Wahrscheinlich wäre auch dir kleine Markuskapelle verschwunden, wie das Volk später diese dem Evangelisten Markus geweihte Kapelle nannte. Im Jahre 1706 aber soll auf interessante Weise eine kleine Marienstatue dorthin gekommen sein.
   Ein Bauer in Bayern  namens Johann Hirsch, war ein großer Verehrer "Unserer Lieben Frau" von Altötting. Weil er aber ziemlich weit entfernt von jenem Wallfahrtsort wohnte, kaufte er sich eine kleine Statue, die ein genaues Nachbild der schwarzen Muttergottes  von Altötting war. Diese Statue stellte er in seine Stube, um davor seine Andacht verrichten zu können.
   Bald darauf erhielt der Bauer dreimal im Traum die Aufforderung, diese Marienstatue über das hohe Gebirge nach Oberkärnten zu tragen und sie in einer alten Bergkirche aufzustellen die hoch über einen breiten Tal stehe.
   Nur ungern folgte der Bauer Hirsch diesem Traum, denn er wollte sich von seiner Statue nicht trennen. Er machte sich aber doch auf den Weg und wanderte über die Hohen Tauern herein in den ehemaligen Lungau. Wiederholt fragte er nach einer alten Bergkirche. Niemand konnte ihm eine solche nennen, denn kein Mensch dachte an die damals schon halbverfallene Markuskapelle neben der Hohenburg.
   Darum trug Hirsch seine Statue hocherfreut wieder zurück in seine bayrische Heimat. Dort aber wurde er bald schwer krank. In dieser Not rief er die Gottesmutter um Hilfe an und gelobte, nochmals den weiten Weg nach Kärnten zu tun, falls er gesund werde. Tatsächlich kam er wieder auf die Beine und wanderte ein zweitesmal mit der Statue über das gewaltige Gebirge nach Süden. In Lendorf am Lurnfeld erfuhr er nun, daß droben neben der Hohenburg eine alte Kapelle stehe. Er stieg zu ihr hinauf , stellte die Statue in die kleine Markuskapelle und verrichtete davor seine Andacht. Bald erzählte man sich in allen Tälern des Kärntner Oberlandes vom Gnadenbild aus Altötting, und von Jahr zu Jahr wuchs die Zahl der Wallfahrer. Weil die Kapelle zu klein wurde, erhielt sie im Jahre 1776 ihre gegenwärtige schöne Form, und seit einigen Jahren führt sogar eine Straße zu ihr hinauf, damit uch die motorisierten Wallfahrer und Ausflügler nach Maria Hohenburg gelangen können.       
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Die Magdalenenkapelle im Lurnfeld
   Etwas östlich von Möllbrücke steht mitten im weiten, ebenen Lurnfeld eine uralte, der heiligen Magdalena geweihten Kapelle, die früher von drei mächtigen Linden überschattet wurde. Unweit davon sind im Ackerboden drei Vertiefungen zu sehen, welche  das Volk als "Blutmulden" bezeichnet. Von dieser Örtlichkeit weiß die Bevölkerung des Lurnfeldes eine interessante Sage zu erzählen:
    Als im frühen Mittelalter die Slawen von Osten her in Kärnten eindrangen, wurden sie auf dem Lurnfeld von den Baiern aufgehalten. Hier kam es nun zwischen den heidnischen Slawen und den christlichen Baiern zu einer blutigen Schlacht. So wild und furchtbar war der Kampf mit dem heidnischen Gegner, daß sich die Mulden im Boden mit dem Blute aus den Leibern der Erschlagenen füllten. Als die Slawen keinen anderen Ausweg mehr fanden, scharrten sie sich um den heidnischen Opferaltar unter den Linden, wo ein slawischer Priester seine Götter um Hilfe anflehte. Weil aber die Hilfe der Götter ausblieb und die Niederlage nicht mehr abzuwenden war, schleuderte er sterbend einen schrecklichen Fluch auf die siegenden Baiern und weissagte: 
   "Wenn sich diese alten Linden zum drittenmal erneuern werden, dann wird der Kampf zwischen Deutschen und Slawen wieder entbrennen, und wieder werden sich die Mulden mit Blut und den Leichen der Erschlagenen füllen. Aber dann werden die Deutschen unterliegen, und die alte Partuschin (eine Bäuerin bei Möllbrücke)  wird den letzten Deutschen mit einer Ofenkruckel (ein Gerät zum Reinigen des Backofens) erschlagen!" 
   Die Baiern sollen die erbeuteten Waffen an der Kampfstätte vergraben haben. An der Stelle, wo der heidnische Opferaltar  unter den Linden gestanden hat, erbauten die Baiern eine Kapelle und weihten sie der heiligen Magdalena.
   Nach einer alten Überlieferung will sich kein Vogel auf das Dach der MagdalenenkapelleMagdalenenkapelle setzen. Nicht einmal darüberfliegen wollen unsere gefiederten Sänger. Durch alle Jahrhunderte herauf beschirmten die drei mächtigen Linden die niedere Kapelle mitten im Felde. Eine Linde wurde vor wenigen Jahrzehnten durch einen Brand vernichtet. Sie hat sich wieder erneuert. Die zweite Linde wurde während des letzten Weltkrieges ebenfalls durch einen Brand zerstört, weil ein kriegsgefangener Russe ein Wespennest im hohlen Stamm ausräuchern wollte. Sie besitzt aber junge Wurzeltriebe und neue Sprößlinge. Die dritte Linde grünt und blüht noch jedes Jahr und streckt ihre Äste weit über das Kirchlein hin, das im Jahre 1964 ein neues Dach erhalten hat.       
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   Zum Geleit
   Kärnten besaß viele Jahre lang ein Sagenbuch in der schönen Art, wie sie in anderen Bundesländern herausgegeben wurden. Das Fehlen einer solchen Aufzeichnung haben manche unserer Mitbürger als Mangel empfunden. Darum traten in letzter Zeit wiederholt Landsleute mit dem Ansinnen an mich heran, diesen Mangel zu beheben. Ich ging mit Freude und Begeisterung an die Arbeit um eine schöne Sagenauflistung zu erstellen. 
   Die Überlieferung sprudelt wie ein unversiegbarer Quell aus der bodenständigen Bevölkerung. Darum wurde ein Großteil dieser Sagen auch schon in früheren Jahren  u.a. von Mathias Maierbrugger gesammelt und im Verlag Johannes Hayn  1991 veröffentlicht.
   Wer nun diese Sagen liest erlebt darin mitunter bewegte Ereignisse aus der wechselvollen Geschichte Kärntens; er begegnet den Riesen und Zwergen, den Wassermännern und Nixen, den Saligen Frauen, den Schatzsuchern, den Teufeln und Geistern, den Lindwürmern und gekrönten Schlangen. Er liest darin von kühnen Heldentaten, von reichem Lohn für gute Menschen, von unerbittlicher Strafe für begangene Frevel, vom Eingreifen überirdischer Wesen in das Geschick edler Menschen und noch von vielen anderen Begebenheiten, wie sie sich nur in der Vorstellungswelt unserer Ahnen ereignen konnten. 
   Damit diese Geschichten noch spannender wirken , habe ich diese mit einigen Bildern geschmückt.
   Mögen diese Zeilen das vor über 50 Jahren  so heiß umkämpfte Land der Jugend Kärntens noch vertrauter und liebenswerter machen.
    Steindorf, im September 2011      

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Der Schatz von Kaltenbrunn
   Wo der Weißenbach, aus dem Stockenboier Graben kommend, knapp ober Feistritz an der Drau den Hügel von Duel umfließt, stand einstens unweit des Kalten Brunnes eine stolze Burg, von der aus man weit in das Drautal hinauf- und hinunterschauen konnte. Zur Zeit ist jener Burghügel von dichtem Wald bedeckt. Wer in diesen  Wald eindringt, entdeckt darin die Reste der einstigen römischen Fliehburg Kalter Brunnen mit Reste der Fliehburgvon Duel.
   Ehe man aber jener Fliehburg auf die Spur gekommen ist, sah einst ein Halterbub auf der Höhe des Kalten Brunnen eine große eiserne Truhe, auf welcher ein Pudel saß. Der Hund sah grimmig drein, war auf und auf schwarz und trug einen Schlüsselbund in der Schnauze. Der Halterbub hatte schon öfters von dieser seltsamen Erscheinung gehört und auch die Weisung erfahren, daß man in dem Augenblick  in dem man Kiste und Pudel erspäht, einen Gegenstand hinlegen müsse, um zur Kiste zu gelangen.
   Der Halterbub legte nun eilends seine Peitsche neben die Kiste. Nun griff er nach den Schlüsseln, die ihm der Pudel willig überließ. Der schwarze Hund stieg sogar von der Truhe herunter, so daß sie der Halterbub leicht öffnen konnte. Dann nahm der Bursche so viel Geld an sich,  als seine Taschen fassen konnten. 
   In den folgenden Wochen hatte der Halterbub noch öfter dieses seltsame Glück. Bald fiel es aber seinem Bauer auf, daß der sonst arme Knabe viel Geld besaß und allerlei kaufte. Als ihn der Bauer einmal fragte woher er seinen Reichtum erhalten habe, erzählte er ihm die Sache vom Pudel und von der Schatztruhe. Nun war der Bauer neugierig geworden und ging selbst zum Kalten Brunnen hinauf. Wirklich fand er dort die Truhe und den seltsamen Hund. Als sich aber der Bauer der Kiste nähern wollte, fletschte der Pudel drohend seine Zähne, so daß der erschrockene Bauer sich nicht an die Schatztruhe heranwagte. 
   Nun zeigte der Bauer die ganze Sache beim Pflegamt in Paternion an. Der Pfleger schickte einige schwarzer Pudel auf TruheKnechte zum Kalten Brunnen, welche die Truhe samt den Pudel, der nicht vom Deckel zu bringen war, in das Pflegeamt trugen. Der Pudel stieg auch hier nicht von der Truhe. Nun wurde der Pfleger zornig, zog einen Stiefel aus und warf ihn nach dem Hund, weil er unbedingt den Inhalt der Truhe sehen wollte. Der Pudel ergriff mit seinen Zähnen den Stiefel, sprang knurrend aus dem Pflegamt und wurde nie wieder gesehen. Der Fuß des Pflegers begann zu faulen und mußte schließlich angenommen werden. Die Truhe jedoch blieb im Pflegamt stehen, und über ihren Inhalt hat noch niemand etwas erfahren.      

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Das Riesenspielzeug

   Schon lange, ehe das das Schloß Rothenthurn über der Drautalstraße stand, gab es etwas höher droben auf dem sogenannten Burgbühel das Hadenschloß. HadenschloßDieses Schloß war sehr ausgedehnt, den dort wohnte ein Riesengeschlecht, das vom Christentum noch nichts wußte. Die Haden, wie unsere Ahnen diese Geschöpfe nannten,  waren gutmütige Riesen und haben den Leuten sogar manchmal bei der Arbeit geholfen. Dies taten sie aber meistens bei Nacht, weil sie nicht gerne mit den Menschen zusammentrafen.
   Doch einmal ereignete sich folgendes: Als die Bauersleute auf der Wiese unter dem Schloß mit dem Mähen beschäftigt waren, sah ihnen ein Riesenfräulein vom Fenster aus zu. Weil ihr die kleinen Wesen mit der flotten Bewegung gefielen, wollte sie diese vermeintlichen Vögel als Spielzeug benützen. Sie eilte auf die Wiese, fing die Mäher ein und trug sie in der Schürze auf das Schloß. Als sie die Schürze Bauersleute beim Handmähenöffnete und die Mäher vor der Mutter auf den Tisch stellte, meinte die Hadenjungfer: "Sieh doch Mutti, was für schöne Lerchen ich gefangen habe!"
Die Riesenfrau aber schüttelte das Haupt und erklärte: "Diese kleinen Dinger sind keine Vögel, sondern Menschen, die eines Tages die Haden vertreiben werden. Trage sie  sofort dorthin zurück wo du sie gefunden hast!"
   Das hadnische Fräulein eilte mit seinen "Lerchen" wieder auf die Wiese hinunter, öffnete seine Schürze Hadenjungferund ließ die Mäher in das weiche Gras rutschen. Der Bauer selbst fiel dabei so ungeschickt auf den Boden, daß er sich ein Bein brach. Weil er wegen dieses Unglückes aus Leibeskräften fluchte und sogar Drohungen gegen die Haden ausstieß, verließ das Riesengeschlecht bald jene Gegend und zog sich tief in die Einsamkeit der Nockberge zurück.  

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Der Amberger Wurm

   In einer Bergfalte des Mirnock liegt hoch über Weißenstein die Bauernsiedlung Amberg. Die letzten Höfe kleben schon fast unter der Alm am steilen Berg, und unter dieser Hangmulde fällt die hohe Weißensteiner Wand beinahe senkrecht in das Drautal ab. 
   Die Bergbauern von Amberg wissen zu erzählen, daß ihre Heimat einstmals ein großer See war, den die Felsen gegen das Tal abschlossen. In diesem tiefen See hauste ein scheußlicher Drache,gefürchtetes Ungeheuer der die ganze Gegend in Furcht und Schrecken versetzte. Vor diesem gefräßigen Lindwurm waren weder die Menschen noch die Tiere sicher, denn mit seinen scharfen Zähnen ergriff er alles, was sich bewegte. Die Bergbauern waren wegen dieses gefährlichen Ungeheuers schon so in Sorge, daß sie bereits vom Auswandern sprachen, wenn das Untier nicht bald erledigt werden könne. 
   Nun kam eines Tages ein Schneiderlein in diese Gegend. Weil man auch ihm vom bösen Lindwurm erzählte, versprach es den Bauern, den Drachen zu töten. Die Leute schüttelten über dieses Vorhaben nur die Köpfe, weil sie meinten, ein so schwacher Handwerksgeselle werde den Kampf mit dem Ungeheuer niemals gewinnen. 
   Das Schneiderlein ging zu einer Schmiede im Tal und ließ sich dort eine lange, spitze Nadel schmieden. Damit versteckte er sich in einer Felsenhöhle in der Nähe des Lindwurmes. Mit der spitzen Nadel stach und reizte der Schneider immerfort den Drachen. Dieser geriet bald in solche Wut, daß er mit seinem gewaltigen Schwanz das Wasser des Sees hoch aufpeitschte und schließlich sogar den Felsen gegen das Tal zu in Trümmer schlug. Das Wasser des Sees stürzte nun zur Drau hinunter und riß auch den Lindwurm mit ins Tal, wo er auf einem Feld verblutete. - Noch jetzt werden jene unheimlichen, zerklüfteten Felsen im Norden des Drautales gezeigt, und das Feld bei Weißenstein, wo der Drache endete, heißt heute noch "Am Wurm".           

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Wie Rubland zu seinem Namen kam

     Im Süden des unteren Drautales liegt ganz versteckt hinter niederen  Waldbergen  unweit von Paternion das kleine Dörfchen Rubland, wohin jetzt auch eine richtige Autostraße führt und wo im Frühjahr die schönsten Schneerosen blühen. Mit der Entstehung des Namens Rubland hat es folgende Bewandtnis:
   In den Felsenhöhlen am Ufer jenes Sees, in dem einst der Lindwurm hauste, wohnte eine protzige Riesensippe. Zwei der Riesen waren in das gleiche Riesenfräulein verliebt, und jeder wollte es zur Frau haben. Um keinen zu beleidigen, erklärte nun die Riesenmaid ihren Freiern, jenen zum Manne zu nehmen, der die größte Rübe aus dem Rübenacker am Amberg aus dem Erdreich ziehen könne.
   Die beiden Riesen suchten nun nach der größten Rübe. Abwechselnd zerrten sie aus Leibeskräften an einem seltenen Ungetüm, das fast so groß war wie ein kleiner Berg. Die Erde aber gab diese Riesenfrucht nicht frei. Da kam einer der Riesen auf einen glänzenden Einfall. Er bog den Wipfel einer großen Fichte, die am Rand des Ackers stand, zu Boden und band daran das Kraut der gewaltigen Rübe fest. Der Baum schnellte mit einem jähen Ruck empor, und die Rübe flog in weitem  Bogen quer über das Drautal. Sie fiel hinter Feffernitz zu Boden und schmetterte bei ihrem Aufprall sogar einige Bäume nieder. Dort entstand später ein kleines Dorf, das zur Erinnerung an jene Riesenrübe den Namen "Rubland" erhielt.
   Nun wird weiter behauptet, daß Napoleon Bonaparte, der kriegerische Franzosenkaiser, bei seinem Aufenthalt in Kärnten auch von Rubland hörte. Er meinte, daß es sich dabei um ein richtiges Land handle, das er nun erobern wollte. Er suchte und suchte und fand jenes "Rubland" nicht weil es so versteckt in den Bergen lag. Napoleon soll einmal erklärt haben: "Alle Länder Europas habe ich entdeckt, aber das verdammte Rubland konnte ich nicht finden!"
   Mit den Rüben hatten es die "Rubländer" angeblich auch während der Franzosenzeit zu tun. Als nämlich Napoleon schon gegen Wien weitergezogen war, belagerten die Franzosen den Markt Paternion. Als sie den sauberen Ort schon sehr bedrängten, flog plötzlich eine großmächtige Rübe mitten unter die Feinde, die durch den Aufprall in tausend Stücke zerbrach. Dieser Schuß richtete unter den Franzosen eine solche Verwirrung an, daß sie die Belagerung von Paternion aufgaben und abzogen.-  Jene Rübe sollen die Bauern von Rubland mit einer mächtigen Schleudermaschine nach Paternion geschossen haben.  

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Der Schatz in Kellerberg

   Südlich des Dorfes Kellerberg stand einst ober dem Bauernhof Auer auf einer mächtigen Waldkuppe die Burg Kellerberg. Das Erdbeben vom 25.Jänner 1348, das den Dobratsch zum Absturz brachte, hat auch die stolze Burg zerstört. Dabei sollen eine große Menge Geld und und noch andere kostbare Schätze unter den Trümmern begraben worden sein. Jene Reichtümer der ehemaligen Burg, von der nur noch geringe Reste im dunklen Wald zu finden sind, warten noch immer bis sie ein Glücklicher hebt. 
   Einzelne Drautaler sollen aber schon ein klein wenig von jenen Schätzen entdeckt haben. Auch ein Faßbinder aus jener Gegend hätte dort reich werden können, wenn er sein Glück nicht leichtsinnig verscherzt hätte. 
   Jener Mann der auch eine kleine Landwirtschaft besaß, stieg einmal abends einem verlaufenen Kalb nach. Gegen Mitternacht erreichte er den ehemaligen Burgplatz von Alt-Kellerberg. Da merkte er wie sich ihm vom Schutthaufen her eine kopflose, weiße Gestalt näherte. Der Binder erschrak und machte schnell ein Kreuzzeichen, doch die Flucht ergriff er nicht, weil er keine Feigheit kannte. Nun blieb die sonderbare Gestalt vor ihm stehen und sprach zu ihm: "Folge mir!" Der Binder folgte wirklich in das dunkle Gemäuer. Dort blieb der Geist vor zwei Fässern stehen und bat den Mann, an jedem Faß einen neuen Reifen anzubringen. Er dürfe aber nichts aus den Fässern nehmen, denn er wüede für seine Arbeit reich belohnt werden. Hierauf verschwand die unheimliche Gestalt.
   Der Binder, der immer einige Reifen bei sich trug, ging sogleich an die Arbeit. Weil er merkte, daß die Fässer bis oben mit kleinen Schneckenhäuschen gefüllt waren, steckte er eine Faust voll davon in seine Tasche. Damit wollte er seinen Kindern eine Freude machen, die mit diesen zierlichen Dingern sicher gerne spielen würden. Kaum hatte er die Reifen richtig befestigt, verschwanden die Fässer vor seinen Augen, und der Burggeist ließ sich auch nicht wieder sehen. 
   Nachdem sich der Binder in der unheimlichen Ruine nochmals umgesehen hatte, wanderte er wieder heim. Schon begann der Morgen zu dämmern, da fand er sein Kalb grasend neben dem Weg. Als er in Kellerberg anlangte, schien bereits die Sonne auf das Drautal und seine Kinder waren schon aufgestanden. Da erinnerte er sich der schönen Schneckenhäuschen und wollte sie den Kindern geben. Als er aber seine Hand wieder aus der Tasche zog, hielt er lauter Goldstücke zwischen seinen Fingern. Nun dachte er an das Erlebnis in der letzten Nacht, und es kam ihm zum Bewußtsein, daß ihm die weiße Gestalt wohl deshalb nicht mehr erschienen war, weil er sich an dem Inhalt der Fässer vergriffen hatte. 
   Beim Auer in Kellerberg weiß man zu erzählen, daß jener Binder noch oft des Nachts auf dem Schutthügel der Ruine gestanden sei, um auf den Geist zu warten, der die dortigen Schätze behütet. Die weiße Erscheinung aber ist nie wieder gekommen, auch nicht, als der Binder auf Alt-Kellerberg mit bitteren Tränen jenen unbedachten Griff nach den Schneckenhäuschen bereut hatte.         

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Das versunkene Schloß

   Westlich von St.Martin bei Villach wuchs früher im breiten Tal ein ausgedehnter Wald. Ein Teil jenes Waldes mußte später schönen Häusern Platz machen, auf dem anderen Teil befindet sich jetzt der Villacher Waldfriedhof.
   In jenem Wald stand einst ein großes Schloß, in dem eine schöne Prinzessin lebte. Auf einem benachbarten Schloß, wohnte ein Prinz,  der die schöne Jungfer gerne zur Frau haben wollte.Als er beim Vater um ihre Hand anhielt, wurde er vom Alten nur höhnisch abgewiesen, weil dieser einen sehr reichen Schwiegersohn haben wollte. Der Prinz war deshalb sehr traurig und unglücklich. Bald danach suchte er seine Großmutter auf, die in einem anderen Wald wohnte und eine sehr mächtige Zauberin war. Diese verzauberte nun die Prinzessin in eine große, weiße Schlange, die solange das Schloß behüten muß, bis ein Mann kommt, der ihr den Schlüssel entreißen kann, den sie im Maul trägt.
   Obwohl sich die Geschichte von der verschwundenen Prinzessin im ganzen Land herumsprach, wagte niemand den Kampf mit der gefährlichen Schlange. Erst ein Urenkel des abgewiesenen Prinzen wollte die verzauberte Schöne wieder befreien.
   Der mutige Prinz ging in das Waldschloß, um der Schlange den Schlüssel zu nehmen. Als sie ihn aber zornig anzischte und sich sogar zum Sprung bereit machte, packte den jungen Mann die Angst, und er lief davon. Nun begann die Schlange bitterlich zu weinen, denn sie wäre sehr gerne wieder erlöst worden.  Der Prinz schlief an einer Quelle ein, wo er senen Durst gelöscht hatte. Dort träumte ihm, daß die Schlange eine wunderschöne Frau sei, die ihm versprach, ewig bei ihm zu bleiben, wenn er keine Angst habe und sie erlösen könnte.
   Als der Jüngling erwacht war, faßte er ganz fest den Entschluß, den Kampf mit der Schlange aufzunehmen, um die Prinzessin zu gewinnen.
   Am nächsten Morgen begab sich der Prinz wieder in das Schloß. Die Schlange aber benahm sich derart wild und zornig, daß er sie nicht bezwingen konnte. - Weil er erfahren hatte, daß man das Wagnis mit der Schlange dreimal unternehmen könne, ging er am dritten Morgen abermals in das Schloß. Diesmal wollte er die wunderschöne Prinzessin auf jeden Fall erlösen, ganz gleich, was die Schlange auch tun würde. Es kam zu einem furchtbaren Kampf. Dabei konnte der Prinz der Schlange den Schlüssel  tatsächlich abjagen. Er war jedoch zu langsam um ihn einzustecken. darum schnappte die Schlange wieder nach dem Schlüssel. Als sich nun der Prinz auf die Schlange stürzte, um mit ihr abermals um den Schlüssel zu kämpfen, wand sie sich um seinen Hals und erwürgte ihn.
   In diesem Augenblick aber versank das Schloß, wie es gestanden, in den Schoß der Erde. An seiner Stelle wuchs bald eine Linde, die später ein Gasthaus überschattete, daß man doer erbaut hatte. Vom Wirt konnte man erfahren, daß dieser Baum einst gefällt werden soll. Aus seinem Holz wird man auch einige Bretter zur Herstellung jener Wiege schneiden, in welcher der Knabe liegen wird, der später die Kraft aufbringen wird, die schöne Prinzessin im St.Martinswald zu erlösen. Dann wird dort ein neues Schloß entstehen, in dem das junge Paar ein glückliches Leben führen wird.     

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Im Tal der Möll erfahren wir

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Die Entstehung der Pasterze
   Als die Bergknappen nach viel Gold und Silber aus der Tiefe der Hohen Tauern hoben, herrschte im oberen Mölltal ein reges Leben. Damals Eisstrom der Pasterze, Winterwaren nur die Bergspitzen vergletschert, und die höchsten Stollen gab es droben unter dem ewigen Eis. Die Knappen mußten schwer arbeiten; Kälte und Sturm haben ihnen besonders im Winter arg zugesetzt. Trotz aller Mühen und Anstrengungen schafften die Knappen fleißig weiter, und sie wurden reicher und reicher. Mit dem zunehmenden Reichtum aber wurden die Knappen an der Möll auch immer übermütiger.
   An ihren wenigen freienTagen, an welchen die Arbeit ruhte, trafen sich die Goldgräber am liebsten auf jenem weiten, grünen Almboden, den gegenwärtig der Eisstrom der Pasterze zudeckt. Dort wuchsen damals saftige Berggräser und schöne Almblumen und das Rindvieh der oberen Mölltaler wurde im Sommer dorthin auf die Weide getrieben. Halter und Sennerinnen betreuten dieses Vieh, und wenn die Bergknappen zu ihnen auf Besuch kammen, verkauften sie ihnen nicht nur Milch und Butter, sondern auch Wein und Schnaps. Eisstrom der Pasterze im SommerDie größte Freude war für die Knappen der Hohen Tauern immer der Kleine Frauentag, der 8.September, an dem auf der herrlichen Almwiese unter dem Großglockner sogar ein Jahrmarkt abgehalten wurde. 
   Auf einem solchen Jahrmarkt trieben es die Knappen und die Bauern jener Gegend wieder einmal ganz toll. In Strömen floß der Wein, den sie nur aus goldenen Bechern tranken. Immerzu mußten die Musikanten zum Tanz aufspielen. Und wem es dabei nicht gefiel, der suchte sein Vergnügen auf der Kegelbahn, wo man mit Butterkugeln nach Kegeln aus Topfen schob. Der ganze Jahrmarktstrubel wurde immer ausgelassener, und Gott schickte eine gerechte Strafe.
   Bald wälzte sich über den Großglockner eine dicke, schwarze, Wolke, aus der sich ein furchtbares Gewitter entlud. Ein unheimlicher Regensrtom prasselte auf die Frevler nieder, und über die Felsen herab stürzte das wilde Wasser auf jenes Almparadies und riß Menschen und Vieh, Hütten und Jahrmarktsbuden mit in die Tiefe. Dann kam ein plötzlicher Frost und ließ den Strom des Regenwassers  zu ewigem Eis erstarren, das nun als Pasterze jene Almweide überdeckt.
   Keiner jener Frevler konnte dem Gottesgericht entgehen. Wohl versuchte der Bauer Burgstaller mit seinen beiden Söhnen in die Tiroler Berge zu enrfliehen. Im oberen Tal der Alm überraschte jedoch auch sie das Unwetter. Sie wurden zu Stein und stehen noch jetzt  als Großer, Mittlerer und Kleiner Burgstall inmitten der Pasterze. Den Pfandlbauer, der nach Norden fliehen wollte, erreichte die gerechte Strafe auf der "Pfandlscharte". Die Spielleute aber erstarrten östlich davon auf dem "Spielmann" zu hartem Stein. Einige Juden, die damals auf dem Markt Waren verkauften, hatten als erste Gruppe die Flucht ergriffen und kamen am weitesten. Doch auf der gegenwärtigen "Judenalpe" ober Ferleiten im Salzburgischen kamen auch sie in das Unwetter und mußten sterben. 
   So erklären sich die Mölltaler die eigenartigen Namen ihrer Berggipfel. Ab und zu soll die Möll noch einen verunglückten Frevler oder einen Gegenstand des vernichteten Jahrmarktes ans Tageslicht befördern.                 

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 Wie Heiligenblut zu seinem Namen kam

   Ein dänischer Edelmann namens Briccius stand im 10.Jahrhundert beim oströmischen Kaiser Leo in Konstantinopel in Kriegsdiensten. Wegen seiner Tapferkeit vor dem Feind rückte er bis zum Kriegsobersten auf. Briccius, der einen frommen,  christlichen Lebenswandel führte, wurde vom Kaiser sehr geschätzt und vom ganzen Volk geliebt.
   In jener Zeit ereignete sich in Konstantinopel ein ungeheurer Frevel durch einen Ungläubigen. Um die Macht des Christengottes zu versuchen, stach er in der dortigen Sophienkirche mit dem Messer in das Bild des Gekreuzigten. Aus der Wunde des Jesubildes floß sofort Blut heraus, das der Kaiser in einem Fläschchen sammeln und gut verwahren ließ. Über das Vorgehen des Ungläubigen war das Volk sehr empört. Dieser aber tat Buße und ließ sich schließlich taufen.
   Bald darauf wurde Briccius vom Heimweh ergriffen, und er beschloß, Konstantinopel zu verlassen. Weil Briccius so tüchtig gewesen war, billigte ihm der Kaiser einen letzten Wunsch zu. Briccius erbat sich das Fläschchen mit dem heiligen Blut, das aus dem Christusbild geflossen war. Nur sehr ungern trennte sich der Kaiser von seinem kostbarsten Heiligtum, doch er wollte das gegebene Versprechen halten. - Nun hüllte sich Briccius in Pilgerkleider und trat die weite Heimreise an.
   Dem Kaiser tat es um das Fläschchen mit dem heiligen Blut inzwischen aber so leid, daß er Briccius einige Männer nachschickte, die ihn überfallen und die kostbare Gabe wieder entreißen sollten. Briccius ahnte diese Gefahr und zog abseits der Straßen durch das Land. Im Schutze des Waldes schnitt er seine rechte Wade auf und verbarg das Fläschchen in der Wunde. Dann bestrich er den Schnitt mit Erde, legte eine kurze Schrift über den wahren Sachverhalt darauf und drauf und verband das Bein mit einem Tuch, worauf die Wunde sogleich verheilte.
   Nun setzte Briccius seine Wanderreise durch Europa fort, kam nach Kärnten und stieg hinauf durch das Mölltal, von wo er über den Tauernkamm nach Salzburg gelangen wollte. In einer stürmischen Nacht kam er vom Weg ab und wurde knapp unter der Pasterze von einer niedergehenden Schneelawine verschüttet.
   In den Wochen vor Weihnachten zogen die Bauern jener Gegend auf die verschneiten Berge, um ihr im Sommer gemähtes Almheu mit Schlitten ins Tal zu führen. Als sie gegenüber  dem Leiterbach über einen harten Schneehaufen schritten, bemerkten sie plötzlich, daß drei grüne Weizenähren aus dem Schnee sprossen. Sie waren über diese seltsame Escheinung hoch erstaunt und schafften sogleich den Schnee weg. Nun fanden sie einen fremden Mann, aus dessen Herz die drei Ähren wuchsen. Sie ahnten gleich, daß dieser durch ein göttliches Zeichen gefundene Mann kein gewöhnlicher Mensch sein könne. Darum beschlossen sie, ihm ein ehrenvolles, christliches Begräbnis zu bereiten.
   Sie wollten aber Gottes Willen erkunden, wo dies geschehen sollte. Darum legten sie den Leichnam auf einen Schlitten, spannten zwei junge, noch ungelernte Ochsen davor und ließen diese gehen, wohin sie wollten. Die Ochsen zogen den Toten aus der Möllschlucht, überschritten zweimal den Fluß und hielten endlich auf dem gegenwärtigen Kirchbühel. Hier wurde der Fremde beigesetzt, doch er fand im Grabe keine Ruhe. Schon nach wenigen Tagen streckte er sein rechtes Bein aus dem Grabhügel. Man brachte das Bein wieder unter die Erde, doch es kam ein zweites- und ein drittesmal zum Vorschein. Nun entschloß man sich, das seltsame Bein näher zu untersuchen. Da fand man das Fläschchen mit dem heiligen Blut und auch das Schriftstück, das über dessen Inhalt und seine Herkunft Aufklärung gab.
   Die Bauern erbauten über dem Grab des Briccius eine kleine, unscheinbare Holzkapelle. Hier wurden nun das Heilige Blut und Briccius sehr verehrt. Weil immer mehr WallfahrerHeiligenblut mit Großglockner aus Kärnten und Salzburg dorthin kamen, wurde die Kapelle bald zu klein. Deshalb baute man dort im 15.Jahrhundert jene schöne gotische Kirche, in deren Gruft Briccius seine Grabstätte erhielt. Links vom prachtvollen Flügelaltar aber steht ein elf Meter hohes steinernes Sakramenthäuschen, in dem die vielen Besucher das Fläschchen mit dem Blut Christi und die drei Weizenähren bewundern können. Den Ort selbst nannten die Mölltaler "Heiligenblut".  
    
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Der Neunbrünnsee

   Von Döllach, das einst der Mittelpunkt des Goldbergbaues im oberen Mölltal war, zieht sich der enge Zirknitzgraben gegen Norden, fast bis zum Hohen Sonnblick. Tief drinnen im Graben strebt plötzlich eine große Felswand fast senkrecht in die Höhe. Die Einheimischen nennen diesen Felsstock fast senkrecht in die Höhe. Die Einheimischen nennen diesen Felsstock den "Taxenplan" und erzählen von ihm eine unheimliche Sage:
   Der Felsen soll in seinem Inneren eine große Höhle besitzen, die von einem See ausgefüllt wird. Dieser See hat neun Ausflüsse, die das Volk als die "neun Brünn" bezeichnet. Sie stürzen über eine fast 60 Meter hohe Felswand, und vereinigen sich im Graben zu einem klaren Bach, der nach Döllach hinunter eilt.
   In dem unterirdischen See soll ein Lindwurm hausen, dessen Brüllen manchmal zu hören ist. Jener Drache wird durch sein ungestümes Verhalten im Berg einmal den Ausfluß eines zehnten Brunnens verursachen. Dann wird aus dem Taxenplan ein so großer Bach herausströmen, das Döllach ertrinken und das etwas weiter nördlich gelegene Putschal versinken wird. Dann bricht aber der Jüngste Tag an, der das Weltende bedeutet.

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 Die Saligen am Backtrog

   Im schönen Mörtschach, wo der Weg in die einsame Asten hinauf führt, richtete einst an einem Abend eine Bäuerin das Mehl im Backtrog her, um am nächsten Morgen schon sehr zeitig das Brot zu backen. "Ach, wenn doch jemand für mich Brot backen würde, ich bin heute so müde!" meinte sie. Dann ging sie schlafen.
   Als sie am nächsten Morgen schon sehr früh aus dem Bett stieg, um den Backofen zu heizen, fand sie die Brotlaibe bereits fertig in der "Labn" vor. Sie war darüber sehr erstaunt und dankte den unsichtbaren Helfern, die so gut zu ihr gewesen waren.
   Das ging nun in diesem Bauernhaus durch drei Jahre so weiter. Die Bäuerin brauchte nur am Abend das Mehl  bereitzustellen, und am Morgen konnte sie die fertigen Laibe in Empfang nehmen. Noch dazu war bei diesem Brot ein besonderer Segen dabei; es ging nie ganz aus.
   Einmal blieb eine Magd aus Neugierde in der Küche zurück, um bei Nacht die sonderbaren Gehilfen zu beobachten. Am Morgem konnte sie der Bäuerin berichten, daß sie eine schöne Jungfrau am Backtrog gesehen habe, die jedoch in einem schmutzigen und zerrissenen Kleid steckte. Es war eine Salige, wie sie in den Berghöhlen des Mölltales hausten und den braven Leuten bei der schweren Arbeit halfen. Die Bäuerin entschloß sich nun, als Dank für die Hilfe vor dem nächsten Backen ein neues Kleid neben den Backtrog zu legen, Sie selbst aber wollte diese Nacht auf dem Backofen verbringen, um sich davon zu überzeugen, daß die Salige das Kleid auch anziehe.
   Richtig kam die schöne Jungfrau wieder und erblickte das Kleid. Rasch streifte sie ihren "Fetzen" vom Leib und schlüpfte in das neue Gewand. Dann betrachtete sie sich lächelnd im Spiegel und sprach die Worte: "Hinten schean und vorn schean, Hiatz kann i nit mehr in Tag (Teig) geahn!"
Ohne in den Backtrog zu greifen, verließ die Salige diesmal die Küche und ist nie wieder in dieses Bauernhaus gekommen.   
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Als die Perchtel durch das Mölltal zog

   Im Mölltal zog früher an den Abenden zwischen Dreikönig und Aschermittwoch die Perchtel von Haus zu Haus, um die schlimmen Kinder zu ermahnen und um nach der richtigen Ordnung bei den großen Leuten zu sehen. Weil sie erstmal vor Dreikönig in die Häuser kam, wurde dieser abend sogar als Perchtelabend bezeichnet. Im Mölltal bezeichnet man die Perchtel als grausames Weib, das Augen wie Stadelreiter, Zähne wie Backscheiter und ein Maul wie ein Stadeltor haben soll. In rußigen zerlumpten Kleidern, auf welche ihr wirres Haar herunterfällt, soll die Perchtelnmacht vor Dreikönige auf einer alten Mistgabel oder auf einem ausgedienten Stallbesen durch die Lüfte sausen und durch den Rauchfang oder gar durch das Schlüsselloch in die Häuser fahren. Sie muß unbedingt genug Holzvorat in der Küche finden, sonst steckt sie das Haus in Brand. Sie darf keinen Kehricht in der Küche sehen, sonst schlitzt sie der Bäuerin den Bauch auf und füllt ihn dort hinein. Schon manches Mal soll sie einen ungläubigen Menschen mitgerissen, getötet, und dann irgendwo hingeworfen  haben.
   Darum verfolgte man früher im Mölltal die Perchtel, oder man beging allerlei sonderbare Handlungen, um sie überhaupt von den Menschen fernzuhalten. 
   Am Perchtelabend trug die Bäuerin die Räucherpfanne, gefüllt mit glühenden Kohlen, geweihten Palmzweigen und duftenden Speikbüscheln, durch alle Räume des Hauses und des Stalles. Der Bauer schrieb über alle Türen die Anfangsbuchstabeb der Heiligen Drei Könige, um die Perchtel nicht über die Schwelle zu lassen. Sogar auf das Dach kletterte mancher furchtsame Mölltaler und schrieb die heilsamen Zeichen auf den Rauchfang, um der Perchtel auch dort den Zutritt ins Haus  zu verwehren. Einzelne Leute sprengten Weihwasser rund um Haus und Hof, um dadurch die Perchtel abzuschrecken.
   Beim Kometer in der Fragant vergaß man einmal am Perchtelabend das Räuchern mit der Glutpfanne. Des Nachts kam die Perchtel und riß einen Menschen mit sich fort. Am nächsten Tag legte sie ihn tot auf die Schwelle des Hauses. Zwischen seinen Fingern und Zehen steckten giftige Blumen aus fernen Ländern. Die Perchtel mußte mit ihm wohl in einem fremden Erdteil gewesen sein. 
   Beim Schwager in Innerfragant machten die Kinder einmal am Vormittag des Dreikönigstages einen furchtbaren Lärm. Der Kirchweg hinaus nach Flattach war ihnen zu weit, darum tollten sie in diesen Stunden daheim so wild herum. Da kam plötzlich die Perchtel als grausliches Weib, ohne Kopf und mit einem Tigermantel über den schmutzigen Körper. Hätten die Kinder nicht sofort ein andächtiges Gebet gesprochen, so hätte sie die Perchtel bestimmt mitgenommen.
   Einmal kam die Perchtel in Gestalt einer "Labtriste" (= Laubhaufen) zu einem Bauernhof in der Mölltalleiten ober Flattach. Der Bauer, der sie kommen sah, wollte das Haustor vor ihr zuschlagen. Deshalb fuhr ihm die Perchtel mit ihren spitzen Fingern ins Gesicht, daß er zeitlebens blind blieb.
   Im Seewaldhaus in Litzldorf neben Penk vergaß man einmal am Dreikönigsabend die heilsamen Anfangsbuchstaben der  Drei Könige über das Haustor zu schreiben. Da kam am späten abend ein zerlumptes Weib mit wirren Haaren,  angetan mit eisernen Handschuh auf den Boden. Nun merkten die Leute, daß sie an den Fingern Krallen trug und erkannten sie als Perchtel. Langsam verließ die Alte die Küche und der Bauer folgte ihr, um hinter ihr das Tor abzusperren. Da der Bauer ganz nahe hinter der Perchtel herging, verletzte sie ihn mit einem spitzen Eisenschuhe am Fuß. Der Bauer beachtete die Wunde nicht und mußte wenige Tage später sterben.
   Lange soll der eiserne Handschuh noch in jenem Haus gelegen sein, das seit dem seltenen Besuch "beim Perchtelbauer" heißt.           

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Die drei Gemsen

   Einmal ging der Mentebauer von Winklern im Mölltal am Pfingstsamstag auf die Gemsenjagd. Er legte sich hoch droben im Gebirge in einem "Schupfen" auf einen Heurest und verbrachte dort die Nacht. Am Pfingsttmorgen wollte er schon sehr früh auf der Gamspirsch sein. Ein ganz klarer Morgen zog hinter den Tauernbergen herauf, als der Mentebauer aus dem Heu kroch und sein Gewehr über die Schulter nahm. 
   Als er den Schupfen verließ, sah er etwas weiter oben auf einem dunklen Felsen schon drei Gemsen, und eine davon war ein besonders schöner Bock. Diesen kapitalen Bock wollte der Jäger gleich schießen. Er legte seinen Stutzen an, zielte genau und drückte ab.  Doch der Schuß ging daneben. Statt daß die Gemsen das Weite suchten, rannten sie jetzt gegen den Schupfen herunter
   "Das ging ja großartig", dachte der Mentebauer. - "Ich schieß gleich noch einmal! Die nächste Kugel trifft den Gams bestimmt!"
   Als sich die Gemsen auf fünfzig Schritte genähert hatten, drückte der Schütze nochmals ab. Er fehlte wieder, und trotz des Schusses rannten die Gemsen geradewegs auf ihn zu
   Jetzt bekam es der Mentebauer mit der Angst zu tun. "Das müssen ja Teufel sein!" fuhr es ihm durch den Kopf. Er sprang wieder in den Schupfen hinein und drückte sich in das Eck, wo das meiste Heu lag. Nun liefen die Gemsen um den Schupfen herum, und der Bock, auf den der Mentebauer geschossen hatte, schickte sich jetzt an, geradewegs auf den Bauer in den Schupfen zu springen.
   "In Gottes Namen!" schrie der Jäger jetzt auf. "Das ist wirklich der Teufel. Mit mir ist's jetzt aus!" - Vor lauter Schrecken fiel er jetzt um und wurde bewußtlos. Als der Mentebauer wieder zu sich kam, war keine Gemse mehr zu sehen, doch sein ganzes Gesicht war voll Blut, und in allen Gliedern spürte er eine seltsame Schwäche, langsam nur konnte er dem Tal zuwandern. Als er Winklern erreichte, läuteten die Glocken gerade zum Festgottesdienst. Der Mentebauer aber mußte sich ins Bett legen und konnte es durch zwei Wochen nicht verlassen. Diesen Schreck hat er sich sein Lebtag gemerkt, und ging nie wieder vor einem Festtag auf die Gemsenjagd.  
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 Das Marterle

   Hoch über Rangersdorf steht unter der Waldgrenze das "Marterle", eine einsame Wallfahrtslirche, die sich nach den steilen Hang der Sadniggruppe schmiegt.
   Wie diese Einschicht zu einer berühmten Kirche kam, weiß folgende Sage zu berichten:
   Ein Schafhalter, der beim Walkenbauer am Wenneberg zu Hause war, fand an einem Sommerabend nicht alle Schafe, weil sich etliche Tiere in den sehr steil abfallenden Felsen der oberen Gebirgsfalte der Wenneberger Alm verstiegen hatten. Als er die anderen Schafe in den Pfrenger getrieben hatte, stieg er zwar den verlorenen Tieren nach, doch bald kam er im Geschröff nicht mehr weiter. Er fand nirgends einen Ausweg, weil er weder nach oben noch nach unten klettern konnte. In dieser augenscheinlichen Gefahr tat der Halter das Gelübde, in diesem Hochgebirge ein Kreuz zu stiften, wenn ihn der Allmächtige aus seiner Notlage befreie.
   Tatsächlich kam der Halter aus der Felsenwildnis wieder heraus, und kurze Zeit später erfüllte er auch sein Gelöbnis. Auf jener Almwiese, wo jetzt die Kirche steht, brachte er ein aus rohen Baumstöcken gezimmertes Wetterkreuz an. Unter seinem Querholz höhlte er eine kleine Nische aus und stellte eine hölzerne Statue hinein.
   Die Bergwanderer, die an diesem Kreuz vorübergingen, beteten hier meistens ein Vaterunser, um für ihre gefahrvollen Alpenwege den Schutz des Allmächtigen zu erflehen. Bei dieser einfachen
Andachtsübung blieb es lange Zeit, bis im Jahre 1854 Andreas Gammerer, Walkenbauer am Wenneberg, in einer Krankheit gelobte, an der Stelle des bereits sehr verwitterten Wetterkreuzes eine Kapelle zu erbauen, wenn er wieder gesund würde. Gott schenkte ihm die Gesundheit, und der Walkenbauer erfüllte sen Versprechen. Noch im gleichen Jahr errichtete er dort eine  hölzerne Kapelle und stellte die Statue, die früher in der Nische des Wetterkreuzes stand, in die Kapelle hinein.
   Die Leute fingen nun an, dorthin zu wallfahrten. Weil die Scharen derer, die zum Marterle hinaufstiegen, immer größer wurden, haben die Bewohner des mittleren Mölltales beim "Marterle" die gegenwärtige Kirche erbaut, die am 22. Juni 1906 vom Fürstbischof Dr. Josef Kahn, der aus Döllach im Mölltal stammte, feierlich eingeweiht wurde.

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 Der Teufelsritt nach Stallhofen

   Knapp vor Obervellach, dem Hauptort des Mölltales, steht die Wallfahrtkirche "Maria Tax" in Stallhofen, die früher von den Bewohnern des Tales viel aufgesucht worden ist. Eine alte Sage erzählt, daß diese Kirche sogar einmal der Teufel betreten habe. Man sieht hier auf der obersten Srufe der Steinstiege, welche zur Orgelempore hinaufführt, den Klauenabdruck eines Bockfußes, der vom Teufel stammen soll.

   Unweit von Stallhofen lebte nämlich eine Bäuerin, die durch mehrfaches Unglück sehr verarmt war. Sie wollte aber unbedungt reich werden. Schon von ihrem Großvater hatte sie erfahren, daß man zu Reichtum gelangen könne, wenn man dem Teufel die Seele verschreibe. Es graute ihr zwar bei dem Gedanken daran, daß man für ein bißchen irdisches Glück für die ganze Ewigkeit das Seelenheil verlieren solle. Schließlich siegte in ihr aber doch die Gier nach dem Geld, und so schwor sie in einer finsteren Nacht den Herrn der Hölle herbei.

   Schon nach wenigen Sekunden hörte die Bäuerin ein verdächtiges Tappen im Vorhaus, und plötzlich stand der Teufel in Bocksgestalt vor ihr in der Küche. Er war in seinem zottigen Fell grauenhaft anzusehen, und die Bäuerin erschrak sosehr, daß sie in ihrer Angst nicht von der Stelle weichen konnte. In dieser furchtbaren Not bereute sie ihren Fehltritt und gelobte sich der Gnadenmutter in der nahen Kirche zu Stallhofen an. Kaum hatte sie das Gelöbnis getan, spürte sie auch wieder die nötigen Kräfte in ihren Gliedern, um die Flucht ergreifen zu können. So rasch sie ihre Beine trugen, eilte sie nach Stallhofen, stieß die Kirchentüre auf und sprang über die Steintreppe auf die Empore.      

   Hinter der Bäuerin her aber eilte der Satan in Bocksgestalt und streckte immerzu seine Krallenhand nach dem Opfer aus. Als die Verfolgte die letzte Stufe der Kirchenstiege erreicht hatte, schlug es auf dem Hohen Turm ein Uhr. Das war das Glück der Bäuerin, denn nun hatte der Teufel keine Macht mehr über die Menschen. Deshalb stampfte er zornentbrannt mit seinem Bocksfuß auf die graue Steinstufe und verschwand mit einem donnerähnlichen Krach aus der Kirche.

   Die Bäuerin aber war erschöpft am kleinen Marienbild neben der Orgel in die Knie gesunken und dankte der Gottesmutter für ihre Rettung. Sie blieb für immer eine fromme Frau und ist durch ihren Fleiß auch noch zu etwas Wohlstand gekommen.    

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Der Mallnitzer Lindwurm

   Dort, wo sich gegenwärtig zwischen den gewaltigen Bergriesen der Hohen Tauern das freundliche Mallnitztal mit seinen Hotels, Gasthöfen und Villen ausbreitet, ruhte einstmals ein großer See in der Gebirgslandschaft. Dieses klare Wasser erstreckte sich vom Rabischer Hügel, der das Tal gegen Süden absperrt, bis tief hinein in das Seebachtal, wo der Stabitzer See noch als kleiner Rest zurückgeblieben ist. An den steilen des Sees weideten während des Sommers die Schafe jener Hirten, die schon damals im Dösener Tal südlich von Mallnitz siedelten.

   Ihr Wasser holten die Dösener Hirten aus dem dunklen Bergsee. Einmal, im Frühjahr, als gerade die ersten Blumen erwachten, stieg der Hirte Lenz mit seinem Wasserputsch wieder zum See hinunter. Hinter einem Erlenbusch merkte er plötzlich ein rotes Etwas. Erst dachte er an eine besonders leuchtende Blume. In Wirklichkeit aber fand er ein schönes Hasenei. Weil seine Fellhose noch keine Taschen hatte, legte er das sonderbare Ei in seinen Wasserputsch, den er wenige Minuten später mit Seewasser füllte. Eilig stieg er wieder bergan,  und daheim wollte er das Ei vorsichtig aus dem Putsch heben. So weit kam es aber mit seinem kostbaren Fund nicht mehr. Die Sonne brannte tüchtig auf den vollen Wasserputsch, den Lenz auf seinem Rücken trug.  Plötzlich tat es einen furchtbaren Krach, und Lenz warf es zu Boden. Der Wasserputsch wurde im Bogen in das steile Gelände geschleudert, und aus den elenden Trümmern kroch ein junger Lindwurm. Ganz starr glotzte er einige Male um sich, dann kroch er hinunter in den See. Der Hirte aber rannte angsterfüllt heim in seine Hütte.

   Im Dösener Tal wohnte damals auch die Wurzelgraber-Aga, die dieses sonderbare Geschehen deuten konnte: "Ja, ja es ist halt so, daß aus einem Hasenei ein Lindwurm schlüpft, wenn dieses mit Seewasser in Berührung kommt. Und besonders schnell geht das, wenn die Sonne draufscheint."

   Der Lindwurm begann im Mallnitzer See unheimlich schnell zu wachsen, und die Dösener Hirten wagten sich nicht in seine Nähe, da er sie aus seinen Glotzaugen so grauenvoll anstierte. Erst fraß das Ungeheuer alle Forellen aus dem See. Dann stieg es aus dem Wasser und stellte den armen Schafen nach. Unter den Hirten gab es große Angst. Um nicht alle Schafe zu verlieren, stiegen sie mit dem Rest der Herde hinauf auf die Hochalmspitze, die damals noch keinen Gletscher trug.

   Nun fand der Lindwurm keinen fraß mehr. Er tobte und brüllte vor Hunger und Wut. In seinem Schmerz buß er mit seinen Riesenzähnen in einer einzigen Nacht jene Felsrippe durch, die den See gegen Süden absperrte. Noch jetzut sind die Zahnspuren  des Drachen zu erkennen.

   Die Wassermassen stürzten mit unheimlicher Wucht aus dem  Hochtal herunter und rissen auch den Lindwurm mit sich in die Tiefe. Durch das Möll- und Drautal wälzte sich das Wasser weiter, und mit ihm kam auch der Lindwurm bis in den Wörther See. Er hatte diese unheimliche Reise gut überstanden und setzte seine Raubzüge im Unterland fort, bis er durch einen brüllenden Stier in eine Falle gelockt wurde.

   Die Hirten aus dem Dösener Tal zogen wieder aus dem Hochgebirge herunter und gründeten jetzt im ebenen und trockenen Tal eine neue Heimat, aus der sich nach und nach das schöne Mallnitz entwickelte.   

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Der beinerne Tisch

   Hoch über dem unteren Mölltal liegt die Burg Falkenstein. Einst lebte auf jener Burg eine Gräfin, die sehr reich und schön, aber auch hochmütig, stolz und geizig war. Sie veranstaltete auf Falkenstein große Feste, bei welchen viel gegessen und getrunken wurde, während die Untertanen Not litten.

   Als auf Falkenstein  der Festsaal wieder einmal mit Gästen gefüllt war, rief die Gräfin jubelnd aus: "Niemandem im schönen Kärntnerland geht es so gut wie mir! Wer ist so reich und schön, so glücklich wie ich? Was sich die anderen kaum wünschen können, besitze ich in reicher Fülle. Ich habe früher am hölzernen Tische gespeist. An Marmortafeln und vor silbernen Platten bin ich gesessen. Und jetzt ist es reines Gold, auf dem meine schüsseln stehen. Nur an einem beinernen Tische habe ich noch nie gesessen - aber auch das möchte ich einmal versuchen! Vielleicht ist mir auch dieses Glück noch vergönnt? - Ja, das Glück muß immer bei mir bleiben!"  

  Nun zog die Gräfin einen goldenen Ring vom Finger und rief, daß es alle im Festsaal hörten: "So wahr dieser Ring, den ich jetzt in den Bach werfe, nie wieder aus seinen Fluten auftauchen wird, so wenig wird auch der Stern meines Glückes jemals verlöschen!" - Und sie schleuderte den Ring aus dem Fenster, damit ihn der rauschende Bach aufnehme.

   Die Diener hatten diese Rede bestürzt vernommen, und die Gäste machten wegen dieses frevlerischen Ausspruches ein ernstes Gesicht. Die stolze Burgfrau aber blickte höhnisch von einem Gesicht zum anderen.

   Erst wenige Tage waren seit jenem rauschenden Fest vergangen, als ein Fischer  zur Burg Falkenstein eilte. Er hielt freudig einen goldenen Ring in die Höhe, den er im Bauch eines Fisches gefunden und als Eigentum der Gräfin erkannt hatte. Das Burggesinde erschrak wegen dieses Fundes, und auch die stolze Gräfin wurde ernst und errötete leicht, als ihr die Zofe den Ring überreichte.

   Drei Jahre verstrichen noch im alten Glanz mit seinem verschwenderischen Festesrummel. Dann aber kamen Feinde in das Land, die in alle Täler vordrangen und auch die Burg Falkenstein eroberten. Sie brannten die stolze Feste nieder, und die Gräfin konnte kaum ihr Leben aus den rauchenden Trümmern retten. Bettelnd mußte sie nun von Haus zu Haus ziehen. Oft wurde sie von der Türe gewiesen, weil man sie wegen ihres früheren Stolzes verachtete. Wenn die Mölltaler ihre ehemalige Herrin sitzen und das erbettelte Gnadenbrot von ihren Knien aufessen sahen, dann riefen sie ihr höhnisch zu: "So, nun erfrische dich auch einmal am beinernen Tisch! Jetzt geht dir dein stolzer Wunsch in Erfüllung!"

   In der Nähe von Obervellach zeigen die Leute noch heute eine Keusche, wo die frühere Burggräfin von Falkenstein auf einem Bündel Stroh im Elend gestorben sein soll.

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Der Schatz auf dem Danielsberg

   Zwischen Penk und Kolbnitz erhebt sich mitten aus dem Mölltal wie ein mächtiger Felskegel der Danielsberg. Auf seiner Kuppe stand einst ein römischer Tempel. Jetzt befindet sich dort eine Kirche, in deren Wand die alten Römersteine eingemauert sind. Neben der Kirche, soll ein Schatz vergraben sein, den noch kein Mölltaler heben konnte, obwohl dort schon mancher sein Glück versucht hat.

   So träumte es dem Grappnigbauer unweit von Penk zum wiederholten Male, daß er in der Sonnwendnacht auf dem Danielsberg einen Schatz heben könnte,wenn er nur den Mut dazu aufbrächte. Er werde dort einen weißen Fleck finden, und an dieser Stelle solle er graben. Dabei aber dürfe er kein Wort sprechen, gant gleich, was er auch sehen oder hören werden.

   Dem Bauer kam dieser sonderbare Traum zwar nicht ganz geheuer vor. Trotzdem machte er sich mit seinem Knecht in der Sonnwendnacht auf den Weg. Bald fand er auf dem Danielsberg die angegebene Stelle, und schweigend gingen sie an ihre geheimnisvolle Arbeit.  Sie gruben und gruben und fanden nach einiger Zeit eine schwarze Truhe. Als sie diese Truhe heben wollten, sprengte eine Schar feuriger Pferde daher;  ein Gaul sprang ganz nahe an den Knecht heran und wollte diesem in den Arm beißen. Der Knecht erschrak darob und rief ihm zu: "Gehst weg!" - In diesem Augenblick waren Pferde und Truhe verschwunden. An der Stelle aber, wo die Truhe gestanden war, lag nun ein schwarzer Schleier. Der Gappnigbauer nahm dieses sonderbare Zeichen zu sich, und es war lange Zeit im Herrgottswinkel der Wohnstube dieses Hauses zu sehen.    

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 Die bestraften Teuchler

   In Napplach an der Möll zweigt ein kleines Sträßlein südwärts in die enge Teuchel ab. An der Sonnseite dieser Schlucht stehen einige Bauerngehöfte, eine einklassige Schule und eine kleine Kirche. Die Bewohner der Teuchel waren ursprünglich Bergleute. Als aber der Goldreichtum ihrer Heimat versiegte, wurden sie Bauern die schwer arbeiten mußten, um ihren steilen Feldern das tägliche Brot abzuringen.

   Die Teuchler Bauern besaßen hoch droben unter dem Polinik neben dem Blößenbühel-See eine Almwiese, wo sie jeden Sommer das duftende Almheu mähten,  welches sie jedoch erst im Winter über den glatten Schnee in die Teuchel herunterführten. 

   Als die wetterharten Bauern der Teuchel wieder einmal unter dem Polinik droben mähten, mußten sie am frühen Morgen ihre Sensen dengeln, um eine richtige Schneid zu erhalten. Da stand plötzlich ein Zwerglein vor den Mähern und bat sie: "Laßt bitte heute das Dengeln sein, denn mein Weib liegt schwerkrank im Bett!"

   Die Teuchler lachten den Zwerg nur aus und hämmerten flott weiter. Nun kam der Zwerg wieder und wiederholte seine Bitte. Die Bergbauern erhörten ihn auch diesmal nicht. Noch ein drittes Mal trat der Zwerg an die Mäher heran, rollte zornfunkelnd seine Augen und schrie aus Leibeskräften: ""Jetzt hört doch endlich auf zu hämmern, sonst müßt ihr es bitter bereuen!" - Die Teuchler antworteten wieder nur mit einem schallenden Gelächter, und schlugen noch fester auf ihre Dengelstöcke. 

   Plötzlich aber hielten die Bauern mit ihrem Hämmern inne, denn sie merkten, wie der See höher und höher stieg, um sich über seine Ufer zu ergießen. Die Mäher konnten sich zwar durch große Sprünge auf den Berg retten. Das Wasser aber gischte und brodelte und überflutete ihre schöne Almwiese. Es riß die dünne Erdschichte mit sich in die Tiefe, und den Bauern schien es, als wollte sich aus diesem kleinen See ein ganzes Meer ergießen.  Anstelle der einst blühenden Almwiese blieb eine öde Steinhalde zurück, welche die Teuchler noch jetzt als "Steinriegel" bezeichnen.    

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Die steinerne Hand 

   Vor vielen Jahren kam ein Inntaler aus Tirol nach Kärnten. Er kaufte am sonnigen Berghang ober Kolbnitz ein Grundstück und baute sich dort aus Baumstämmen ein bescheidenes Häuschen. Der Mann sah ärmlich aus und war wenig daheim. Er streifte oft tagelang in den Bergen umher, zu welchen er den Riekengraben hinaufstieg. Er verließ auch einige Male im Jahr das Tal und kehrte erst nach mehreren Tagen zurück. Die Kolbnitzer schätzten ihn als armen Keuschler ein und kümmerten sich wenig um den Fremden. Mit der Zeit aber fiel er den Leuten auf, daß er doch ganz gut lebe, obwohl er kein Feld bearbeitete. Nun wurden die Menschen neugierig, was für ein Leben dieser Mann eigentlich führte. Einige Bauern suchten darum den Inntaler auf und waren nicht wenig verwundert, daß sie in der äußerlich so armseligen Hütte allerlei wertvolle Geräte und Einrichtungsgegenstände vorfanden.

   Nun wurde im Dorf rasch die Nachricht verbreitet, daß der Tiroler ein reicher Mann sei. Sie entdeckten aber nicht das Geheimnis, wie er zu diesem Reichtum gekommen sei. Alles mögliche wurde vermutet. Man sprach sogar davon, daß der Fremde mit dem Teufel im Bunde sei.

   Als der Inntaler auf dem Sterbebett lag, ließ er seinen Sohn aus Tirol zu sich rufen. Diesem übergab er sein Häuschen in Kolbnitz und eine Truhe voll Goldmünzen. Er vertraute dem Sohne aber auch ein Geheimnis an: ,,Mein Sohn, sollte es dir einmal schlecht gehen, so nimm das Ledersäckchen, das hier hängt, und wandere den Riekengraben hinauf. Dort findest du das Eck, eine mächtige Felswand mit drei Rinnen. Einen weißen Fleck wirst du an der Wand finden und nicht weit davon eine steinerne Hand. Wenn du noch zwanzig Schritte in jene Richtung weiter gehst, in welche die Hand zeigt, so wirst du eine Luke antreffen. Wenn du dort eine Steinplatte aufhebst, so findest du ein Sieb und eine Haue. Mit der Haue kratze die rote Erde ab und siebe sie aus. Den Sand aber der im Sieb bleibt, schütte in das Ledersäckchen. Wenn es voll ist, dann trage es in die große Stadt am Wörther See. Im Haus, das die Zahl 285 über dem Tor trägt, wird dir ein Herr diesen Sand für viele Taler und Goldstücke abkaufen."

   Der Inntaler schloß nun bald die Augen für immer. Sein Sohn aber verjubelte den Reichtum des Vaters. Er fuhr im Land umher, saß viel in den Gasthäusern und hielt auch seine Zechkumpane frei. Als er kein Geld mehr besaß, fielen ihm die letzten Worte seines Vaters ein. Mit dem Ledersäckchen und einem alten Stock wanderte er hinauf in den Riekengraben. Der Bursche fand zwar die Felswand mit den drei Rinnen und auch den weißen Fleck. Während er aber nach der steinernen Hand forschte, ging ein furchtbares Gewitter mit Blitz und Donner über die Berge nieder, und die steinerne Hand blieb verschwunden. Soviel er auch suchte, er konnte sie einfach nicht finden. Als die Nacht hereinbrach, mußte der junge Inntaler wieder unverrichteter Dinge ins Mölltal zurückkehren.

   Aus dem reichen Mann war wieder ein armer Schlucker geworden. Er mußte nun durch harte Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen. Obwohl er noch öfter die Berge hinaufstieg, die steinerne Hand blieb für immer verschwunden.

   Eines Tages fuhr eine prächtige Kutsche durch Kolbnitz hinauf zur Keusche des Tirolers. Dort stieg ein vornehmer Herr aud dem Wagen, der nach der nach dem alten Inntaler fragte. ,,Ach Herr, der ist schon lange gestorben", rief der arme Bursche, der aus der Keusche trat.

   Nun erkundigte sich der Fremde: ,,Und Ihr seid wohl sein Sohn? Warum macht Ihr es nicht auch so wie Euer Vater? Jedes Jahr brachte er mir Goldsand aus dem Riekengraben, und dabei hat er sich eine schöne Summe Geldes verdient."

   Nun erzählte der arme Tiroler, wie leichtsinnig er das Geld seines Vaters verjubelt hatte, und daß er wohl als Strafe dafür trotz eifrigen Suchens jene steinerne Hand nicht mehr finden könne, welche dem Vater die verborgenen Schätze angezeigt hatte.

   Mit einem Achselzucken verließ der Fremde aus dem Unterland die armselige Keusche des Tirolers, dem es nun Zeit seines Lebens sehr schlecht ging. Die Arbeit schmeckte ihm nicht und ohne Arbeit gibt es keinen Lohn.   

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Weihnachten der Berggeister

   Vor langer Zeit lebten in den Felsenklüften des Reißeck zwölf Berggeister.             Sie bewachten die Goldschätze, tauschten mit den Schätzen anderer  Bergmännlein aus und überließen an manchen Stellen auch den Menschen ein klein wenig von diesem Reichtum, obgleich sie denen mißtrauten, die überall mit unersättlicher Gier nach den Bergschätzen suchten und Stollen in die Felsen schlugen.

   Die Bergmännlein wagten sich nur selten ans Tageslicht, kamen aber nicht ganz ohne menschliche Hilfe aus. Darum schickten sie manchmal ihren schneidigsten Gesellen zu den Hirten hin, die am Fuße dieses Felsengebirges die Rinder des Mölltales hüteten. Dieser "krumme Reißecker", der einen verwirrten Hut trug und gutmütig aus seinen klugen Äuglein guckte, besaß einen Bart, der bis auf die Knie niederwallte. Er bat die Hirten das eine Mal um eine Schüssel Milch, damit sich die Männlein bei ihrer schweren Arbeit erfrischen konnten. Der "krumme Reißecker" war bei den Hirten sehr beliebt, denn er steckte immer ein Goldringlein auf die Ochsenhörner oder legte ein pures Goldstück auf den Grund der leeren Schüssel.

   Einmal hatte ein Hirte auf der Trippalm am Heiligen Abend eine ganz besondere Begegnung mit den Berggeistern des Reißecks. Er war nämlich in der Weihnachtszeit noch mit einigen Rindern auf der Alm, um das geerntete Bergheu aufzubrauchen. Am Weihnachtsabend fegte er seine Hütte blank und gab den Rindern eine doppelte Portion Almheu. Am Christtag wollte er ins Mölltal hinunterwandern, um bei seinem Bauer den üblichen Weihnachtsbraten zu bekommen und neue Lebensmittel auf den Berg zu tragen.

   Als am Weihnachtsabend schon die ersten Sterne auf die verschneiten Berge leuchteten, trat plötzlich mit lautem Gepolter der "krumme Reißecker" in die Hütte und bat den Halter, er mögir ihn für diese Nacht die zweite Stube überlassen, in der im Sommer die Sennerin wohnte. Der Hirte erlaubte dies dem nächtlichen Besucher, legte sich bald auf sein Strohlager und zog die Decke ganz hoch an sein bärtiges Kinn.

   In der Heiligen Nacht stapften nun die zwölf Berggeister durch den Schnee und polterten in die Tripphütte hinein. Sie setzten sich in der leeren Stube um den großen Tisch und stellten als Leuchte einen Bergkristall in seine Mitte. Sie rückten mit den Stühlen hin und her und schlugen mit der Faust auf den blanken Tisch.

   Der Hirte nebenan horchten angestrengt zu den Zwölfen hin. Sie rechneten immerzu, schimpften dann wieder und schienen uneins zu sein über den Erlös des abgelaufenen Jahres. Das unheimliche Hin und Her mit den vielen Zahlen machte den Hirten vergessen, wie rasch die Stunden verflossen. Außerdem war es in der Hütte noch immer finster.

   Endlich schienen sich die Berggeister geeinigt zu haben, und verließen mit lautem Gepolter dieStube.

   Rasch sprang der Halter aus dem Bett und ging an seine Arbeit. Die Sonne stand hoch über den Bergen, und wunderbar glitzerte der kristallene Schnee. Der Hirte riß die Fensterläden auf,  die von den Berggeistern geschlossen worden waren. Dann eilte er in den Stall, wo die Kühe aus Leibeskräften nach dem Futter schrien. Ihre Euter waren steinhart, denn sie waren prall mit Milch gefüllt. Als er die Rinder versorgt und gemolken hatte, trat er in die andere Stube, wo er zwar viel Unordnung, doch auch ein Häuflein goldenen Geldes auf dem Tische fand. Als er auch seinen knurrenden Magen beruhigt hatte, eilte er ins Tal hinab. Dort fragte ihn der Bauer, wieso er den erst heute, am Johannistag, zum Weihnachtsbraten von der Alm komme, nicht wie sonst, am Christtag.  Nun erst kam der Hirte darauf, daß er durch drei Tage und Nächte hindurch hinter verschlossenen Fensterläden der Abrechnung der Berggeister zugehört hatte. Erst wollte er fluchen. Dann aber kam ihm der reiche Lohn in den Sinn, und er stieg wieder voll Freude hinauf in das Reich der Berggeister am Reißeck.    

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Rund um den Dobratsch

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Das Wunder von Oberschütt (von Herbert Stauder)

     Am Nordufer der Gail, im Schüttgebiet östlich von Arnoldstein. Wo heute das stille Dörfchen Oberschütt liegt, war einst das Dörfchen Roggau. Wie schon der Name sagt:
"Roggen und Au", weil herrlicher Roggen auf den Feldern der Flußau gedieh. Die
Roggenauer waren fleißige Leute, bebauten mit Zufriedenheit die Felder, trieben Fischfang an der Gail und gruben nach den wasserklaren, violett- und rosafarbenen
Kristallen im Quarzgrübel drüben an der Waben, trugen die wertvollen Schmucksteine nach Arnoldstein und verkauften sie an venezianische Handelsherren. Sie waren auch gottesfürchtig, die Roggauer, hüteten den christlichen Glauben und liebten ihren teuren Flecken Erde.

       Ein recht ungewöhnlicher Winter war von 1347 auf 1348. In den Jännertagen 1348 war Föhn eingebrochen, "Jauck" wie man sagt. Warm laut und feucht brauste der Südwind um die Höhen , schüttelte den Hoch und Niederwald, rumorte und grollte wie ferner Donner vor einem drohenden Gewitter, im nahen Felsgebirge, schmolz der Schnee rasch vom Kar, an den Hängen,  an den Hängen, in den Tälern der Niederungen. Bald lugten aus dem Winterkleid des Landes große braune Flecken hervor. Die Wiesen und Lehnen waren schon nach einigen Tagen schneefrei. Die warme Luft weichte die Erde auf und diese war nicht imstande, das viele Schneewasser aufzusaufen. Tausend kleine Pfützen bildeten sich aus zahlreichen Quellen sprudelten munter kleine Bächlein. Die Heumahd im verflossenen Jahr war  nicht gut gewesen und Futterknappheit zeigte sich in den Scheunen. Die Roggauer werteten es als Sendung des Himmels,  nun konnten sie die Schafe aus den Ställen treiben, damit sie sich das Futter auf den Feldern selbst suchten.
   Der Cornat Lex, ein alter graubärtiger Schäfer, sammelte die Tiere und trieb sie hinunter zur Gail. Dort nährten sie sich an den dürren Grasbüscheln. Zu so ungewöhnlicher Zeit war es wohl noch nie vorgekommen, daß der Lex ins Bockshorn blies und zur Weide rief. Tiefer Winter und kalt, sehr kalt sollte es sein, in anderen Jahren war es so. 
   Er war schon alt, der Conrad Lex, und Zeit seines Lebens gezeichnet. Am Rücken trug er einen Höcker, der ihm von Geburt auf ins Leben mitgegeben worden war. Derweil er noch jünger war, konnte er noch ein wenig arbeiten. Doch als er älter wurde, wuchs auch die Last auf seinem Buckel und drückte ihn immer mehr. Atembeschwerden stellten sich ein und in den Hüften stach es ihn manchmal fürchterlich. Das Leid stand dem alten Mann ins Gesicht geschrieben und die kleinen runden Augen im mageren runzligen Gesicht des Lex waren zwar schön, widerspiegelten aber sein  hartes, immerwährendes Weh. Der Lex hatte in seinem Leben nur wenig Freude erlebt, und nur ganz ganz selten erschien in seinem Faltengesicht jener Schimmer, der Ausdruck von Freude und Gück ist. Verheiratet war der Cornat Lex nicht. Wohl hätte er sich gerne eine Frau genommen, aber welche war schon bereit, mit ihm die Sorgen und Nöte des Lebens zu teilen? Er mit seiner Gestalt, dem dünnen Körper, dem Höcker am Rücken und dem kleinen Wuchs war wenig ansprechend. Ja oft spottete man ihn deshalb, nannte ihn den "Buckligen"  und machte sich lustig, das hatte ihn anfangs sehr gekränkt und im Herzen bitter wehr getan. Im Gefolge der Jahre seines Lebens hatte er gelernt, es hinzunehmen und duldsam zu ertragen. Arbeiten konnte er bald nicht mehr und war so Hirte geworden. Man war mit dem Lex zufrieden, weil er das Hirtesein verstand. Mit den Tieren war er eins, und oft schien es, als ob er mit ihnen lange und viel über allerlei Dinge redete.
   Am Morgen des 25.Jänner erhob sich der Cornat Lex von seinem Strohlager schon mit dem anbrechenden Tag. Er rieb sich die Augen und fuhr mit der Hand über die von unzähligen Runzeln zerfurchten Stirne, meinte damit das Brummen im Kopf fortzuwischen. Gar nicht gut beinand war er nach dieser Nacht. Unruhiger Schlaf quälte ihn und im Hals ein lästiges Kratzen reizte immer wieder zum Husten und nach Luft zu ringen. Die Glieder waren träge und schmerzten. Der Föhn war daran schuld und machte ihn müde. Jammern immerfort jammern hätte er können, aber wer hörte ihn an  und scherte sich schon um den Lex! Krank sein und im Bett liegen, das kannte er nicht. Solange er nur die Kraft hatte, aufzustehen, mußte er mit den Schafen hinaus auf die Weide. Und wenn es einmal nicht mehr gehen sollte, dann würde es wohl auch aus sein mit ihm und er würde abberufen werden von dieser Welt in die ewige Glückseligkeit. Dort würde er gleich sein mit den anderen guten Menschen und man würde ihn nicht mehr wegen des Höckers am Rücken spotten. Noch aber mußte er warten, bis ihn der Herr rief. Mit solchen Gedanken im Kopf bückte er sich nach mit zahlreichen Flecken übernähten, schmutzverpechten Kniehose. Sie war auch schon bald so alt wie der Lex, als er zu wachsen aufgehört hatte. Langsam und umständlich zog er sie an, dann ergriff er die Lammfelljacke und stülpte sie über. Diese spendete wohlige Wärme und tat ihm gut, den vom Lager auf hatte es ihn gefröstelt. Recht schwerfällig zog er die Holzzockel an, das Bücken ging halt gar nicht gut und kostete sehr viel Mühe. Eine Schale Schafmilch schlürfte er noch hinunter und kaute ein Stück Brot dazu, dann schwang er den Sack mit dem Salz über, setzte den breiten, hohen Schäferhut auf, hängte das Bockshorn um, nahm seinen Hirtenstock zur Hand und trat ins Freie. "In Gottsnam beginn ma den Tag", seufzte er mit heiserer Stimme dabei. Den Blick warf er zuerst hinauf zum Gipfel der mächtigen Villacher Alpe. Nebelzüge brausten um das Kar, geben den Gipfel für Augenblicke frei und beeilten sich, ihn rasch wieder zu verstecken. Von der Flußau herauf eilten die grauen Schwadenberge zur Waben und der Höhe zu, und dort trieb sie der Südwind weiter über den Kamm gegen Norden. Feuchte, krankheitsgeschwängerte Luft und Nebelreißen füllten den Morgen.       (Fortsetzung folgt) ...      

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